Archiv des Tags ‘Mafia’

Die MAFIA in Duisburg XXXI

Samstag, den 8. November 2008

Geld statt Ehre?

“München, den 5. November 2008 – In der heutigen, teilweise sehr emotional geführten Verhandlung vor dem Landgericht Duisburg zur von Antonio Pelle beantragten Einstweiligen Verfügung gegen das im Droemer Verlag erschienene Buch der Journalistin Petra Reski „Mafia – Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ hat es einen überraschenden Vorschlag des Antragstellers gegeben: Gegen eine Zahlung von 10.000 bis 15.000 Euro dürfe der Name des Antragstellers weiterhin genannt und das Buch unverändert im Umlauf bleiben. Der Antrag war darauf gerichtet, dass der Name Pelles nicht weiterhin genannt werden darf. Der von Droemer beauftragte Anwalt hatte demgegenüber vorgeschlagen, den Namen Pelles und das Landhaus Milser in zukünftigen Auflagen des Buches zu verändern.
Der Verlag zum ungewöhnlichen Vorschlag: „Wir fragen uns ernsthaft, worum es dem Antragsteller eigentlich geht. Das überraschende Vergleichsangebot der Gegenseite verstehen wir jedenfalls so, dass die angebliche Schädigung des Ansehens letztlich doch nicht so schwerwiegend zu sein scheint, als dass man sie nicht mit einer Geldzahlung begleichen könnte. Vermutlich geht es doch wohl eher darum, hier schnelles Geld zu machen, und weniger darum, Persönlichkeitsrechte zu wahren. Die Gegenseite führt damit ihren eigenen Antrag auf eine Einstweilige Verfügung ad absurdum.“

Quelle: Pressemitteilumg Droemer-Knaur Verlag

Die MAFIA in Duisburg XXX

Donnerstag, den 6. November 2008

“Durch das vor drei Wochen im Münchner Droemer Knaur Verlag erschienene Werk „Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern” sieht Hotelier Antonio Pelle seine Persönlichkeitsrechte verletzt und geht per Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den Verlag vor. Auf drei Seiten des 336 Seiten umfassenden Buches werden Pelle, Geschäftspartner Rolf Milser und das von ihnen gemeinsam betriebene Hotel in Huckingen („Landhaus Milser”) in Zusammenhang mit der Mafia genannt. Autorin Petra Reski bezieht sich auf einen internen Ermittlungsbericht des BKA, wonach es erfolglose Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche gegeben habe. Das „Landhaus Milser” soll auch einem Mafia-Boss als Unterschlupf gedient haben – Behauptungen, die Pelle nicht auf sich sitzen lassen will.”
Quelle: DerWesten 5.11.08

Die beanstandete Passage findet sich hier.

Es gab ja nicht nur Hinweise des BKA zum “Landhaus Milser”,  sondern auch in der italienischen Zeitung L’espresso stand einiges zu lesen:

Nella lista del rapporto sono citati il ristorante da Bruno. E c’è anche l’hotel Landhaus Misler, quello che ha ospitato gli azzurri ai trionfali Mondiali di Germania, albergo “indubbiamente finanziato con mezzi legali, ma che offre anche eccellenti possibilità per la sistemazione dei latitanti appartenenti al clan”, si legge nell’informativa. Prosegue la nota dei carabinieri:”Le famiglie mafiose di San Luca hanno fondato basi logistiche in Germania molto importanti. Le principali possono considerarsi senza dubbio nelle città di Duisburg, Erfurt e nel frattempo anche Lipsia”.

Weiter im Artikel von DerWesten:

“In der kommenden Woche wird das Buch „Mafia” wieder Thema im Gericht sein. Dann beschäftigt sich die 8. Zivilkammer mit einer Milser-Klage gegen Droemer Knaur.”

Oder wie es in einem Kommentar zum DerWesten-Artikel heißt: “War da nicht mal was mit 5 Kg Koka in den 80 zigern zur Finanzierung der Hütte, oder so ?”

Oder auch dieser Kommentar von O., der mich auf den Artikel vom DerWesten hinwies: “(…) ich kann es hier bestätigen, egal bei welcher Gelegenheit man in Duisburg den Namen Rolf M. erwähnt,  ob beim Friseur, am Kneipentresen oder im Sportverein, fast jeder antwortet Dir spontan “Koks!”, obwohl der gute Mann wohl niemals in einer Kokerei gearbeitet haben dürfte.”

Die MAFIA in Duisburg XXIX

Freitag, den 31. Oktober 2008

D O K U M E N T A T I O N

Landtag Nordrhein-Westfalen
Ausschussprotokoll APr 14/715
14. Wahlperiode – 04.09.2008
Innenausschuss
44. Sitzung (öffentlich)
4. September 2008
Düsseldorf – Haus des Landtags – 13:30 Uhr bis 15:15 Uhr
Vorsitz: Winfried Schittges (CDU) – Protokoll: Stefan Welter

(…) Mafia in Duisburg
Bericht der Landesregierung

Vorsitzender Winfried Schittges weist darauf hin, dieser Tagesordnungspunkt sei von der SPD-Fraktion beantragt worden.
LdsKD Rolf Behrendt (IM) berichtet wie folgt:
Nach Medienberichten war der Eindruck entstanden, die italienische kriminelle Organisation ’Ndrangheta könne unbehelligt agieren und unterhalte in Duisburg Gastronomiebetriebe, die der Unterstützung des Rauschgifthandels und als Unterschlupf für gesuchte Angehörige der Organisation dienen würden. Der Duisburger Polizeipräsident Rolf Cebin hat in einer Presseerklärung sehr deutlich herausgestellt, dass sich die Aussagen seiner Beamten auf Erkenntnisse aus Ermittlungsverfahren weit zurückliegender Jahre beziehen.
Tatsächlich wurden in der ersten Hälfte der 90er-Jahre von nordrhein-westfälischen Staatsanwaltschaften Ermittlungsverfahren durchgeführt, die den Verdacht des illegalen Handels mit Betäubungsmitteln zum Gegenstand hatten. In einem Fall richteten sie sich gegen den Inhaber eines italienischen Restaurants in Duisburg, in anderen Fällen bestanden Bezüge oder Kontakte zu italienischen Restaurants in Duisburg.
Bereits in den 80er-Jahren wurde in einem von italienischen Staatsangehörigen aus San Luca betriebenen Restaurant in Duisburg ein dort beschäftigter Italiener festgenommen, weil gegen ihn ein Haftbefehl wegen Verdachts der Tötung eines Polizeibeamten in Italien vorlag. Noch 1997 war bei der Staatsanwaltschaft Duisburg ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Geldwäsche gegen den Inhaber eines Gastronomiebetriebes anhängig. Das Ermittlungsverfahren wurde nach Kenntnis der Polizei Duisburg eingestellt, weil der Nachweis einer Straftat nicht erbracht war.
Diese Daten bestätigen, dass es konkrete staatsanwaltschaftliche Ermittlungsver-fahren und Verdachtslagen gegen italienische Inhaber von Gastronomiebetrieben in Duisburg oder mit sonstigen Verfahrensbezügen zu diesen und anderen Gastronomiebetrieben gegeben hat. Im Übrigen weise ich aber auf Folgendes hin:
Die umfassenden Ermittlungen aus Anlass des sechsfachen Tötungsdelikts vom 15. August 2007 haben zu einer weiteren Erhellung und Darstellung der Strukturen der hier und in Kalabrien lebenden Familien und ihrer vielfältigen Verflechtungen geführt. Die bereits vorhandenen Erkenntnisse wurden hierdurch deutlich verbessert. Sie haben den Ermittlern aufgezeigt, wie eng kalabrische Familien ihre Strukturen und Bindungen trotz großer räumlicher Distanz aufrecht erhalten. Diese verbesserte Erkenntnislage führt dazu, dass in nahezu allen Ermittlungsverfahren – auch in jüngeren Ermittlungsverfahren, die von italienischen oder deutschen Behörden gegen einzelne Angehörige dieser im Übrigen sehr großen Familien geführt werden – immer wieder Bezüge zu Familienangehörigen in Deutschland und in Duisburg festgestellt werden.
Damit lassen sich allerdings nicht ohne Weiteres kriminelle Aktivitäten unterstellen. Unser Rechtsstaat fordert mehr als bloße Familienangehörigkeit und Mutmaßungen über Geldflüsse, um Strafverfahren einzuleiten und strafprozessuale Maßnahmen durchzuführen. Soweit der Polizei Informationen vorlagen, die zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Straftat enthielten oder die sich durch weitere Feststellungen zu einem solchen Verdacht verdichten ließen, wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet und an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Das wird auch zukünftig so sein.
Mehrere nordrhein-westfälische Zeitung hätten seit der letzten Sitzung des Innenausschusses berichtet, so Dr. Karsten Rudolph (SPD), dass es in Duisburg offensichtlich doch ein seit mehreren Jahren bekanntes Netzwerk der ’Ndrangheta gebe, das angeblich weiter arbeite. Das sei vom Sprecher der Polizei in Duisburg bestätigt worden.
In Bezug auf den mutmaßlichen Haupttäter Strangio habe sich anhand der im Zuge des Sechsfachmordes genommenen DNA-Proben herausgestellt, dass er derjenige gewesen sein müsse, der 1998 in Bochum einen Raubüberfall begangen habe und offensichtlich auch verhaftet worden sei, wie die neuesten Presseberichte meldeten. Man habe ihm nichts nachweisen können, aber er gehöre offensichtlich zur seit einiger Zeit bekannten Klientel.
Zudem schreibe die Staatsanwaltschaft Duisburg in ihrer justiziellen Ergänzung im Bericht zur Lage der organisierten Kriminalität in Nordrhein-Westfalen, es gebe seit über zehn Jahren eine intensive polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit zwi-schen den Behörden in Duisburg – damit könnten nur Staatsanwaltschaft und Polizei in Duisburg gemeint sein – und Staatsanwaltschaften und Polizeistellen in Italien – wie aus dem Bericht hervorgehe wohl vorwiegend in San Luca. Das Netzwerk sei al-so durchaus bekannt.
Es habe Verdachtsmomente, Ermittlungen, eine Verhaftung und eine Freilassung gegeben, weil die Beweise für den Raubüberfall nicht ausgereicht hätten. Nach poli-zeilichen Ermittlungen im Zuge des Sechsfachmordes gebe es neben den zwei mut-maßlichen Tätern auch Helfershelfer im Umkreis von Duisburg, was den Netzwerk-charakter deutlich mache.
Allgemein sei die Bedrohung durch die Mafia unterschätzt worden. Auch wenn es keine Ansatzpunkte gebe, um Verhaftungen vorzunehmen, müsse man nach den Aussagen der Beobachter, nach dem Lagebild und den Berichten der nordrhein-westfälischen Behörden, von einem Festsetzen der ’Ndrangheta in Duisburg über Jahre hinweg ausgehen.
Die Dokumentation im „ZDF“ sei nicht von Journalisten erfunden worden, sondern beruhe auf Auskünften, die der Innenausschuss von der Landesregierung auch gerne bekommen hätte. Offensichtlich müsse man aber Journalist sein, um den Leiter der Ermittlungskommission in Duisburg zu befragen, der offenherzige und seiner, Rudolphs, Meinung nach kluge Antworten gegeben habe. Auch der Leiter der Abteilung für organisierte Kriminalität und der Leiter des Bundeskriminalamts, der für die Bekämpfung der Mafia zuständig sei, hätten dem Fernsehpublikum Informationen mitgeteilt. Der BKA-Beamte habe von offenbar undichten Stellen bei der Polizei gesprochen, die ein Problem bei der Ermittlung und Überführung von mutmaßlichen Tätern darstellten, und in diesem Zusammenhang auch die Landeskriminalämter sowie örtliche Polizei- und Kommunalverwaltungen genannt, was wahrscheinlich mehr auf Erfurt bezogen gewesen sei.
Daher stelle sich ihm, Rudolph, die Frage, ob bei der nordrhein-westfälischen Polizei in den letzten Jahren Verdachtsmomente auf undichte Stellen aufgekommen seien, dass also Polizeibeamte eine sehr große Nähe zu mutmaßlichen Mafiaangehörigen gehabt hätten, und ob das zu bestimmten Konsequenzen wie beispielsweise Versetzungen, Disziplinarverfahren oder Ähnlichem geführt habe.
Innenminister Dr. Ingo Wolf betont, er wolle mit einer gewissen Legendenbildung aufräumen. Herr Strangio sei vor der Tat nicht in der Weise auffällig geworden, dass man ihn hätte verhaften können. Erst nach der Ausstellung des Haftbefehls im Zusammenhang mit den Mafiamorden sei aufgrund der DNA-Spuren der zweite Haftbefehl erlassen worden.
LdsKD Rolf Behrendt (IM) ergänzt, man habe Strangio erst nach der Tat in Duisburg als Spurenleger des 1998 begangenen Raubes ermittelt. Deshalb sei der Haftbefehl wegen des Raubes erst nach dem Haftbefehl wegen des Sechsfachmordes ausgestellt worden.
In Bezug auf die Frage, ob sich die ’Ndrangheta in Duisburg festgesetzt habe, entgegnet er, die Landesregierung beteilige sich nicht an Spekulationen. Die in den In-terviews im „ZDF“ gemachten Aussagen sowie die in der „Westdeutschen Allgemei-nen Zeitung“ zitierte Aussage, die von Herrn Cebin zeitnah korrigiert worden sei, beruhten auf der Einschätzung eines Kommissariatsleiters, die er auf der Grundlage von im Laufe von ungefähr 15 Jahren entstanden Erkenntnissen abgegeben habe. Seine Ausdrucksweise sei dabei ungeschickt gewesen; die Medien hätten also nicht etwas Falsches dargestellt.
In einem Rechtsstaat könne man Ermittlungen nur bei hinreichenden tatsächlichen Anhaltspunkten für den Verdacht einer Straftat aufnehmen. Sofern sich am Ende der Ermittlungen kein hinreichender Tatverdacht ergebe, habe die Staatsanwaltschaft keine Möglichkeit, Anklage zu erheben.
Mitteilungen von italienischen Behörden könnten lediglich als Hintergrundwissen gespeichert werden, aus dem nicht die Gewissheit abzuleiten sei, dass jemand Angehöriger der Mafia, der ’Ndrangheta, und Straftäter sei, denn es handele sich um weiche Erkenntnisse. Solche Erkenntnisse hätte der Kommissariatsleiter seiner Meinung nach nicht nach außen tragen dürfen; das halte er für unüblich.
Undichte Stellen im Zusammenhang mit der Bearbeitung von Ermittlungsverfahren gegen die Mafia oder die ’Ndrangheta seien ihm nicht bekannt.
Dr. Karsten Rudolph (SPD) entgegnet auf die Ausführungen von Innenminister Dr. Ingo Wolf, die Sachlage in Bezug auf Strangio sei ihm klar. In einem Pressebe-richt habe es aber geheißen, dass der mutmaßliche Täter des Sechsfachmordes schon 1998 in Verdacht geraten und bei der Polizei bekannt gewesen sei. Offensicht-lich handele es sich bei der Meldung von dem damaligen Erlass eines Haftbefehls um eine Falschmeldung, da man ihm diese Tat erst durch die DNA-Spur nachweisen könne.
Seit einigen Tagen sei das Buch von Antonio Pelle verfügbar, in dem er sich sehr über die Landesregierung beklage. Dabei gehe es um einen angeblich nicht wirklich linksliberalen Innenminister, da die Polizei Pelle mit offensichtlichen Bestreifungsaktionen übermäßig drangsaliert und damit seinem Geschäft geschadet habe.
Darüber hinaus stehe zu lesen, dass man einen guten Freund des Autors, der bei der Polizei gewesen sei, im Zuge der Ermittlung nach dem Sechsfachmord auf An-weisung eines weiteren guten Freundes aus dem Innenministerium zur Verkehrspoli-zei versetzt habe. Deshalb frage er, ob es nach bzw. während der Ermittlungen zum Sechsfachmord keine Verdachtsmomente auf undichte Stellen in der Polizei und deswegen auch keine Versetzungen gegeben habe. Nach der Darstellung der Lan-desregierung teile Herr Pelle der Öffentlichkeit offensichtlich etwas Falsches mit. Das müsse die Landesregierung bestätigen können.
Vor dem Sechsfachmord habe sich niemand vorstelle können, dass so etwas in Deutschland passieren könne. Vom Innenminister wolle er wissen, ob die Landesre-gierung aus den neu gewonnenen Erkenntnissen im Sechsfachmord praktische Kon-sequenzen für die Bekämpfung der organisierten Kriminalität in Nordrhein-Westfalen oder für die Fort- und Weiterbildung gezogen hätte bzw. ob das Personal im Bereich der Bekämpfung der organisierten Kriminalität verstärk worden sei oder man schwerpunktmäßig stärker auf Mafiastrukturen nicht nur in Duisburg schaue, weil es sie vielleicht auch noch an anderen Orten gebe. Der Ausschuss könne keine Konsequenzen erkennen.
MDgt Carl H. von Bauer (IM) führt aus, in der Tat enthalte das von Dr. Karsten Rudolph angesprochene Buch einzelne Darstellungen. Personalmaßnahmen werde man – wie immer – nicht auf dem offenen Markt austragen.
Dr. Karsten Rudolph (SPD) fragt nach, ob die Landesregierung die Darstellungen also nicht dementieren könne.
MDgt Carl H. von Bauer (IM) wendet ein, man sei es dem Betroffenen schuldig, an dieser Stelle nicht auf Einzelheiten einzugehen.
Je weiter Dr. Karsten Rudolph seine Frage formuliere, so StS Karl Peter Brendel (IM), desto schwieriger werde ihre saubere Beantwortung. Zwischendurch sei er sich nicht sicher gewesen, worauf sich die Frage nach den undichten Stellen beziehe.
Landesregierung könne undichte Stellen in der nordrhein-westfälischen Polizei nicht generell und im Allgemeinen ausschließen.
In öffentlicher Sitzung gebe man keine Erklärungen zu Personalangelegenheiten ab. Aus diesem Verhalten könne man weder ein Dementi noch eine Zustimmung noch eine sonstige inhaltliche Aussage ableiten.
Dr. Karsten Rudolph (SPD) weist erneut darauf hin, im „ZDF“ habe ein Beamter des Bundeskriminalamts von undichten Stellen im Zuge der Ermittlungen gegen die Mafia in Duisburg und Erfurt bei der Polizei und bei Kommunalverwaltungen gesprochen. Herr Pelle erhebe zudem den schweren Vorwurf der Versetzung zumindest eines Polizeibeamten aufgrund des Eindrucks, er könne eine zu starke Nähe zu jemandem aufweisen, der eventuell Mitglied einer kriminellen Vereinigung sei. Die Landesregierung habe argumentiert, ein Problem der deutsch-italienischen Zusammenarbeit liege in den Hintergrundberichten. Die italienische Seite spreche hingegen von Problemen bei der Weitergabe von harten Informationen an die deutsche Polizei, weil es in Deutschland undichte Stellen gebe.
Somit komme es zu einem Pingpongspiel zwischen beiden Seiten. Daher versuche er, zu einem Ergebnis zu kommen, um den Kampf gegen die Mafia zukünftig besser führen zu können. Er bietet der Landesregierung an, die Sitzung nichtöffentlich fortzusetzen, weil er eine Antwort der Landesregierung auf die Frage erwarte, ob die von ihm erwähnten öffentlich erhobenen schweren Vorwürfe zuträfen. Schließlich würden auch die Innenpolitiker gefragt, ob die Behauptungen richtig seien.
MDgt Carl H. von Bauer (IM) hält es für fraglich, ob eine von einem BKA-Beamten allgemein ausgesprochene Verdächtigung Anlass für den Verdacht sein sollte, die gesamte nordrhein-westfälische Polizei sei korrupt und es gebe undichte Stellen. Die Landesregierung verfüge über keinerlei Hinweise, die zu irgendeinem strafrechtlichen Anfangsverdacht geführt hätten oder dass es Durchstechereien gegeben habe. Diese Aussage sei das Maximum des zu Verantwortenden.
Sören Link (SPD) zeigt sich von der Antwort nicht befriedigt, denn Dr. Karsten Rudolph habe danach gefragt, ob es im gesamten Verfahren in Bezug auf die Mafiamorde in Duisburg eine undichte Stelle bei der Duisburger Polizei oder bei anderen beteiligten Behörden gebe. Dabei handele es sich um einen eng begrenzten, definierbaren Zusammenhang. Er wolle wissen, ob es zutreffe, dass die Landesregierung über keinerlei Erkenntnisse auf undichte Stellen verfüge und auch keine Konsequenzen gezogen habe.
MDgt Carl H. von Bauer (IM) antwortet: Ein klares Nein.
Aus dieser klaren Antwort ergebe sich der Umkehrschluss, so Sören Link (SPD), dass Herr Pelle in seinem Buch die Unwahrheit sage.
MDgt Carl H. von Bauer (IM) weigert sich, Umkehrschlüsse aus einem Buch zu ziehen, dass er noch nicht gelesen habe. Die Landesregierung habe gesagt, was sie verantworten könne, und keine weiteren Schlüsse zu ziehen.
Monika Düker (GRÜNE) betont, es stünden schwere Vorwürfe gegen die nordrhein-westfälische Polizei im Raum. Sie habe MDgt Carl H. von Bauer so verstanden, dass es in Bezug auf den von Dr. Karsten Rudolph formulierten Vorwurf keinen strafrechtlich relevanten Anfangsverdacht gegen einen Angehörigen der Polizei gebe. Sofern es noch etwas darüber zu sagen gebe, was unterhalb eines relevanten Anfangsverdachts liege, bitte sie ebenfalls um nichtöffentliche Sitzung.
StS Karl Peter Brendel (IM)
erläutert, die Landesregierung habe zweimal die sehr deutliche Erklärung abgegeben: Man verfüge über keine Erkenntnisse.

Quelle: landtag.nrw.de, Seiten 12–18

Die MAFIA in Duisburg XXVIII

Mittwoch, den 29. Oktober 2008

“Die ZDF-Dokumentation “Im Netz der Mafia” am Dienstag, 19. August 2008, 21.00 Uhr, untersucht die kriminellen Machenschaften dieser Mafiaorganisation in Deutschland. Der sechsfache Mord von Duisburg gilt dabei nur als die “Spitze eines Eisbergs”, wie dem ZDF vorliegende vertrauliche Dokumente des BKA und der italienischen Untersuchungsbehörden nahe legen.
Ein Jahr nach dem blutigen Ereignis begeben sich die ZDF-Autoren Ulrike Brödermann und Philipp Zahn auf Spurensuche. Die Mörder sind noch immer nicht gefasst. Ein italienischer Pizzabäcker wird steckbrieflich von der Polizei gesucht. Jahrelang hatte er nahe Düsseldorf als Pizzabäcker gearbeitet. Samt seiner Hintermänner kommt er, wie auch die sechs Opfer, aus San Luca, der Hochburg der ‘Ndrangheta in Kalabrien. Die süditalienische Kleinstadt ist seit Jahren Schauplatz eines blutigen Clan-Krieges. Es geht um die Vorherrschaft im Drogenhandel, es geht um geschätzte 44 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.”
Quelle: klamm.de

Leider habe ich die Dokumentation verpaßt, aber: man findet sie im Internet bei myvideo:

Auf_den_Spuren_der_Moerder_von_Duisburg_Teil_1
Auf_den_Spuren_der_Moerder_von_Duisburg_Teil_2
Auf_den_Spuren_der_Moerder_von_Duisburg_Teil_3
Auf_den_Spuren_der_Moerder_von_Duisburg_Teil_4
Auf_den_Spuren_der_Moerder_von_Duisburg_Teil_5
Auf_den_Spuren_der_Moerder_von_Duisburg_Teil_6
Auf_den_Spuren_der_Moerder_von_Duisburg_Teil_7
Auf_den_Spuren_der_Moerder_von_Duisburg_Teil_8
Auf_den_Spuren_der_Moerder_von_Duisburg_Teil_9_END

sehenswert …

Da lacht der Mafioso

Montag, den 20. Oktober 2008

Während in einem Duisburger Restaurant mit italienischem Besitzer ein Al Capone-Bild an der Wand hängt, schlägt das folgende Buch in die gleiche Kerbe der Verharmlosung krimineller Mafia-Banden:
“Entdecken Sie mit diesem einzigartigen Sprachführer Ihren inneren Don Corleone und finden Sie heraus, welche Potentiale als »Capo« in Ihnen stecken, wie man Schritt für Schritt die wichtigsten Gesten und Mimiken eines Mafioso erlernt, welche Machtphantasien in Ihnen schlummern, wie Sie mit Nadelstreifenanzug und Sonnenbrille den perfekten Look erzeugen, warum Palermo der schönste Ort auf Erden ist. Lesen Sie dieses Buch bevor Ihnen »die Familie« einen Besuch abstattet.”
Quelle: Amazon

.. und das war die “Arbeit” der “Familie”:

” (…) war Palermo von Kriegsende bis Ende des 20. Jahrhunderts fest in der Hand der Mafia. Es war Zentrum zweier großer Mafiakriege und zählte zu den gefährlichsten Städten Europas- 1981 bis 1983 ereignete sich in Palermo durchschnittlich alle drei Tage ein Mafiamord. In den 1980er Jahren kämpften vor allem die Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino dagegen an. 1992 wurden beide in der Nähe Palermos von der Mafia umgebracht. Erst unter dem “Antimafia”-Bürgermeister Leoluca Orlando (Amtszeit 1985-2000) blühte das öffentliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben der Stadt wieder auf. Unterstützt von anderen Politikern, von Künstlern und von der Bevölkerung setzte er den Kampf gegen die Mafia fort.”
Quelle: Wikipedia

Die MAFIA in Duisburg XXVII

Freitag, den 17. Oktober 2008

Friedlich liegen sie in der Meierschen Buchhandlung nebeneinander: drei neue Bücher über die Mafia, in zwei davon kommt Duisburg und das Da Bruno-Massaker vor:

Ich fange mal mit dem Buch von Petra Reski an: mein erster Tip: kaufen und lesen. Titel und Untertitel dieses wirklich guten Buches sind leider dem Marketing geschuldet: es kommen zwar viele Paten vor, wenig Pizzerien, aber die im Untertitel erwähnten “falschen Prister” sind tatsächlich richtige Priester. Durch diesen wirklich dämlichen Untertitel geht verloren, um was es auch in diesem Buch geht: die Beschreibung der Duldung und Deckung der Mafia durch katholischer Kirchenmänner.
Während Savianos Buch Gomorrah wunderbar zu lesende Literatur mit einem eher traurig-melancholischen Unterton ist, schreibt Reski als Journalistin. Und es ist wieder Literatur herausgekommen, nur eben eine etwas andere. Schwerpunkte sind bei ihr wie schon angemerkt: die katholischen Priester, aber auch die Rolle der Frauen und der Kinder der Mafiosi, dann die Verbindung von Politik und Mafia besonders am Beispiel Silvio Berlusconis. Mehr dazu im zweiten Teil. Jetzt erst einmal ein paar Schmankerl aus dem Buch zu Duisburg und der ‘Ndrangheta-Verbindung:
“Ziel unseres Ausfluges war das Landhaus Milser. Ein Hotel, das ‘Ausdruck südlichen Lebensgefühls’ sei, wie der Hotelprospekt verhießt. Es befand sich am Rande von Duisburg, zwischen Wiesen und kleinen Waldstücken.
C…) In einer Truhe neben dem Eingang waren einige Medaillen des Gewichthebers Rolf Milser ausgestellt, der das Hotel zusammen mit dem Kalabresen Antonio Pelle gegründet hatte. Berühmt wurde das Hotel, als es während der Weltmeisterschaft 2006 die italienische Fußballnationalmannschaft beherbergte. Und als das Massaker von Duisburg geschah. In jenen Augusttagen gab es kaum ein Interview, in dem sich der kalabresische Besitze , der aus San Luca stammende Antonio Pelle, nicht dagegen verwehrt hätte, in Sippenhaft genommen zu werden: Nicht alle aus San Luca stammenden Kalabresen seien Mafiosi, lieber wäre er auf dem Mond zur Welt gekommen als in San Luca.
Tatsächlich war das Hotel schon geraume Zeit zuvor dem Bundeskriminalamt aufgefallen. In seinem Bericht über die ‘Ndrangehta in Deutschland tauchen sowohl Rolf Milser als auch Antonio Pelle auf, gegen die wegen des Verdachts auf Geldwäche ermittelt wurde. Obwohl weder Antonio Pelle noch Rolf Milser über genügend finanzielle Mittel verfügt hätten, so der Bericht, konnten sie für neunzehn Millionen Mark das Hotel ‘landhaus Milser’ errichten – pikanterweise noch dazu in einem Wasserschutzgebiet. Spätere Ermittlungen konnten keine Anhaltspunkte für Geldwäscheaktivitäten finden, sie stellten nur fest, dass das Hotel mit Hilfe von EU-Subventionen sowie mit Krediten des Bundes, des Landes und der Stadt finanziert worden sei. Antonio Pelle habe verwandtschaftliche Beziehungen zu dem ‘Ndrangheta-Clan Romeo. Und auch Rolf Milser sei diesem verwandtschaftlich verbunden: Rolf Milsers Exfrau ist die Schwägerin von Antonio Pelle.
Auch wenn keine illegalen Geldströme nachgewiesen werden konnten, biete das Hotel eine hervorragende Möglichkeit, international gesuchte Clanmitglieder zu verstecken und bei der Tilgung der Kredite Gelder zu waschen, stellt der BKA-Bericht fest. Italienischen Ermittlern zufolge habe sich der international gesuchte Clanführer Antonio Romeo eine Zeitlang in dem Hotel versteckt gehalten. Und ein abtrünniger Mafioso gab an, dass der Lebensmittellieferant des Hotels, ein aktenkundiger ‘Ndranghetista, angeblich fünfzehn Millionen Mark für ein Hotel in Duisburg gezahlt habe. Das Landhaus Milser. Gesicherte Erkenntnisse gibt es aber dazu nicht.
So weit das BKA. (…)
Als Don Pino, der Pfarrer von San Luca, nach Duisburg gereist war, um seine Versöhnungsmesse abzuhalten, verbrachte er die Nacht in dem Landhotel Milser. Wie es sich für Kalabresen gehört. Landsleute sind immer füreinander da.

Petra Reski “MAFIA – Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern”, Droemer Verlag, Seiten 196–199

Nachtrag: Während ich noch am Korrigieren bin, lesen schon mehrere Leute diesen Artikel, scheint ja doch interessant zu sein.

Die MAFIA in Duisburg XXVI

Freitag, den 17. Oktober 2008

“Capo: Wir sind da, wo das Geld fließt. In Deutschland fühlen wir uns besonders wohl, weil man dort noch Respekt voreinander hat.

SPIEGEL ONLINE: Stehen auch deutsche Politiker auf Ihrer Gehaltsliste?

Capo: Wenn es nicht so wäre, wären wir nicht da. Das große Geld lässt sich nur verdienen, wenn die Politik mitmacht.

SPIEGEL ONLINE: Die Polizei sagt, die Morde von Duisburg seien ein Fehler gewesen, weil die anschließenden Ermittlungen die Geschäfte der ‘Ndrangheta gestört haben.

Capo: Wir machen keine Fehler. Die blutigen Taten von Duisburg waren notwendig, um weiteres Blutvergießen zu verhindern.

SPIEGEL ONLINE: Die Polizei behauptet, es sei ein Rachemord im Rahmen einer jahrelangen Fehde zwischen zwei verfeindeten Clans aus San Luca gewesen.

Capo: Für einen reinen Fehdemord hätten die Bosse in San Luca nie die Erlaubnis gegeben. Nein, in Duisburg lagen die Dinge anders.”

Quelle: SPON vom 19.8.2008

Die MAFIA in Duisburg XXV

Donnerstag, den 16. Oktober 2008

“Die italienische Polizei hat einen weiteren Boss der kalabrischen Mafia-Organisation ‘Ndrangheta festgenommen, der indirekt im Zusammenhang mit den Mafia-Morden von Duisburg stehen soll. Sondereinheiten aus der süditalienischen Stadt Reggio Calabria nahmen im Morgengrauen Antonio Pelle – auch bekannt als “La Mamma” – fest, berichteten italienische Medien.”
Quelle: n-tv.de

Antonio Pelle – nicht zu verwechseln mit dem Besitzer des Duisburger Hotel Landhaus Milser. Über den gibts allerdings auch etwas Neues zu berichten: in dem neuen Buch von Rita Reski – Mafia: Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern. Mehr dazu morgen.

Die MAFIA in Duisburg XXIV

Mittwoch, den 15. Oktober 2008

Al CaponeVerschieden sind die Geschmäcker: So schmückt ein Portrait des amerikanisch-italienischen Mafiosi und mehrfachen Mörders AL CAPONE ein italienisches Restaurant in der Duisburger Innenstadt (in einem dieser neuen, hässlichen Gebäude):
Al Capone


“Bis heute ist sein Name auch mit der Bezeichnung Geldwäsche verbunden, da er als erster illegale Einnahmen in Waschsalons investierte und mit dieser Verschleierungsmethode Vorbild für viele Steuerhinterzieher und Betrüger wurde.”
(Wikipedia)

Hier will ich natürlich auf keinen Fall behaupten, die Besitzer dieses italienischen Restaurants (Jahresmiete: 271.746,24 Euro) hätten irgend etwas mit der Mafia zu tun – geschmacklos ist es sicher, dort das Bild eines Kriminellen aufzuhängen.

Mafia und Neoliberalismus

Sonntag, den 30. März 2008

“Der Gedanke, den Roberto Saviano in seinem Buch Gomorrha entwickelt, strahlt eiskalt wie ein Kristall: Die Chefs der Camorra-Clans begreifen sich in erster Linie als Unternehmer, sie sind entrepreneurs reinsten Wassers. Ihre Logik ist die eines schranken- und hemmungslosen Wirtschaftsliberalismus. Die Camorra ist der Triumph der Privatinitiative, das Vorbild ihrer Bosse Berlusconi mehr als Al Capone.”

Quelle: Sergio Benvenuto, Die graue Hand der Camorra, LETTRE Winter 2007


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