Archiv des Tags ‘Mafia’

Die MAFIA in Duisburg XXXXII

Mittwoch, den 20. Januar 2010

Heute aktuell: Livestream der Debatte im NRW-Landtag über die große Anfrage der SPD zur MAFIA in NRW.

“Bedrohung Nordrhein-Westfalens durch die Mafia
Große Anfrage 38 der Fraktion der SPD Drucksache 14/9740
Antwort der Landesregierung Drucksache 14/10178
Block II 14.40 Uhr”
Quelle: landtag.nrw.de

Ein interessanter Kommentar der Rheinischen Post hier: NRW ist “Paradies für Clanbosse”.

Die MAFIA in Duisburg XXXXI

Mittwoch, den 13. Januar 2010

“Ist eigentlich bekannt, dass an der Erstellung des Buches von Antonio Pelle, also dem fleißigen Unternehmer aus Duisburg, der vollkommen zu Unrecht in die Nähe der Ndrangheta gerückt wurde, ein Redakteur des Bayerischen Rundfunks mitwirkte? Ist das ein Grund, warum in dem Buch von Antonio Pelle, in dem es um die “Mutter der Ndrangheta”, das Dorf San Luca geht, das Wort Ndrangheta überhaupt nicht vorkommt?”

Quelle: mafialand, Jürgen Roth

Der reich gedeckte Tisch

Samstag, den 5. September 2009

“Angesichts der Entwicklung des gesamten Spektrums der Kriminalität und der Tatsache, dass sich kriminelle Strukturen wie die N’drangheta in Nordrhein-Westfalen entwickeln und festsetzen, fordert der BDK die Landesregierung auf, in den nächsten Jahren 2000 Kriminalisten zusätzlich den Kriminalpolizeien in NRW zuzuweisen. Ohne ein Mehr an Kriminalisten bleibt die Bekämpfung der Kriminalität “Stückwerk”, die Kriminalpolizei wird zum Tischtuch, an dem alle ziehen und das doch zu kurz ist, den reich gedeckten Tisch der Kriminellen abzudecken”, erklärte Albishausen abschließend in Düsseldorf.
Quelle: BDK vom August 2008
Einwand: will uns der BDK damit etwas verschlüsselt sagen? Denn schließlich befindet sich ein Tischtuch unter einem reich gedeckten Tisch. Liegt es über dem Tisch wie vom BDK behauptet, dann will man tatsächlich damit etwas abdecken.

Die MAFIA in Duisburg XXXX

Donnerstag, den 27. August 2009

Endlich mal ein vernünftiger Fragen-Katalog:

LANDTAG NORDRHEIN-WESTFALEN 14. Wahlperiode Drucksache 14/9740 26.08.2009
Datum des Originals: 25.08.2009/Ausgegeben: 27.08.2009
Große Anfrage 38
der Fraktion der SPD
Bedrohung Nordrhein-Westfalens durch die Mafia

Vorbemerkung
Der Sechsfachmord in Duisburg am 16. August 2007 hat deutlich gemacht, dass die Mafia keine rein italienische Angelegenheit ist. Mit aller Brutalität wurde einer breiten deutschen Öffentlichkeit klar, dass die Mafia und ihre kriminellen Aktivitäten auch in ihrer nächsten Umgebung anzutreffen ist.
Deutschland dient der Mafia als Refugium vor der italienischen Strafverfolgung, als Drogen und Waffenumschlagplatz sowie als Land der Geldwäsche.
Die Gefahren, die von der Mafia auch in Deutschland ausgehen, wurden offenbar unterschätzt, die deutsch-italienische Zusammenarbeit zur Bekämpfung dieser Gefahren war unterentwickelt.
Unter Mafia soll im Folgenden nicht die Gesamtheit der organisierten Kriminalität verstanden werden. Gemeint sind die aus Italien stammenden, streng hierarchisch gegliederten Gruppen. Zu ihnen zählen die sizilianische Cosa Nostra, die neapolitanische Camorra, die kalabresische ’Ndrangheta sowie die aus Apulien stammende Sacra Corona Unita.
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Landesregierung:

I. Derzeitiges Lagebild im Bereich der Mafia-Kriminalität
1. Welche Gefährdungspotenziale birgt die Mafia-Kriminalität für Nordrhein-Westfalen?
2. Wie stellen sich Lage und Ausmaß der Mafia Kriminalität hinsichtlich der wesentlichen Kriminalitätsbereiche in den letzten fünf Jahren dar?
3. Wie haben sich Gewaltbereitschaft und kriminelle Intensität der Täter der Mafia-Kriminalität entwickelt?
4. Welche internationalen Strukturen der Straftätergruppierungen reichen nach Nordrhein-Westfalen?
5. Welche regionalen Schwerpunkte der Mafia-Kriminalität gibt es in Nordrhein-Westfalen?
6. Bleibt das Gefährdungspotenzial der Mafiaorganisationen auf Landsleute beschränkt?
7. Wie hat sich der Organisationsgrad bei der Planung, Vorbereitung und Durchführung der kriminellen Aktivitäten im Bereich der Mafia-Kriminalität entwickelt?
8. Welche Erkenntnisse liegen über die logistischen Fähigkeiten der Mafia-Kriminalität vor?
9. Welche Erkenntnisse über die Mafia-Kriminalität konnten durch Verdachtsanzeigen nach dem Geldwäschegesetz und verdachtsunabhängige Ermittlungen, insbesondere Finanzermittlungen erlangt werden?
10. Gibt es Unterschiede zwischen Ausmaß und Erscheinungsformen der Mafia-Kriminalität in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zu anderen Ländern – wenn ja, welche?
11. Sind der Landesregierung Fälle von Schutzgelderpressungen in den letzten fünf Jahren bekannt geworden – wenn ja, wie viele?
12. Wie viele der (laut Angaben des BKA) 61 Restaurants, die die kalabresischen Clans Romeo-Pelle-Vottari und Nirta-Strangio im Jahr 2008 in Deutschland betrieben, befanden sich in Nordrhein-Westfalen?
13. Wie viele der Mitglieder dieser beiden Organisationen wurden von deutschen bzw. nordrhein-westfälischen Behörden in den letzten 10 Jahren verhaftet?
14. Wie viele Strukturermittlungs- oder Umfangsverfahren wurden in Nordrhein-Westfalen seit dem Sechsfachmord durchgeführt?

II. Weitere Entwicklung der Mafia-Kriminalität
1. Wie beurteilt die Landesregierung die Rahmenbedingungen für die künftige nationale
und internationale Ausbreitung der Mafia-Kriminalität?
2. Welche Bedeutung hat die technologische Entwicklung für die Mafia-Kriminalität?
3. Welche künftigen Entwicklungen erwartet die Landesregierung im Bereich der Mafia-Kriminalität und welche Gefahren sieht sie hierbei?
4. Warum betrachtet das BKA in seinen beiden einschlägigen Berichten aus dem Jahr 2008 Nordrhein-Westfalen als eine Hochburg der kalabresischen Mafia-Aktivitäten in Deutschland?
5. Werden wegen Mafiazugehörigkeit bereits in Italien verurteilte Mitglieder der ‘Ndrangheta, der Camorra oder der Cosa Nostra auch in Nordrhein-Westfalen weiterhin observiert?
6. Gab es Vorfälle, in denen bekannt wurde, dass zur Mafia gehörende oder der Mafia nahestehende Italiener die Nähe zu Politikern in Nordrhein-Westfalen gesucht haben?

III. Strategien zur Bekämpfung der Mafia-Kriminalität
1. Welche Aufgaben bei der Bekämpfung der Mafia-Kriminalität werden auf der Ebene der Europäischen Union, welche von den Polizeibehörden des Bundes (Bundespolizei, BKA, Zoll) und welche von den Polizeibehörden des Landes wahrgenommen?
2. Wie beurteilt die Landesregierung die Zusammenarbeit
a) mit Europol?
b) mit den Bundesbehörden (BKA, Zoll, Bundespolizei)?
c) mit den Polizeien der anderen Länder?
d) mit den italienischen Sicherheitsbehörden?
3. Welches Konzept legt die Landesregierung der Bekämpfung der Mafia-Kriminalität zugrunde?
4. Wie haben sich Dauer, Schwierigkeit und Komplexität der Ermittlungen im Bereich der Mafia-Kriminalität entwickelt?
5. Welche Maßnahmen taktischer, technischer, personeller, organisatorischer oder sonstiger Art hat die Landesregierung seit 2007 ergriffen, um der anhaltenden Bedrohung durch die Mafia entgegenzutreten?
6. Welche Bedeutung misst die Landesregierung der Abschöpfung von Verbrechensgewinnen bei und welche Maßnahmen hat sie dazu getroffen?
7. Wie beurteilt die Landesregierung die Möglichkeiten eines vernetzten, ressort- und behördenübergreifenden Vorgehens zur Bekämpfung der Mafia-Kriminalität?
8. Wie bewertet die Landesregierung die jüngste Bundesgesetzgebung hierzu?
9. Wie steht die Landesregierung zu EU-Rahmenbeschlüssen zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität?
10. Sind seit dem Sechsfachmord in Duisburg dem Aufbau der deutsch-italienischen Task Force spezielle Verbindungsbeamte in Nordrhein-Westfalen und Italien installiert worden?
11. Welchen Einfluss hat die intensivierte Fahndung auf die Mafia-Kriminalität?
12. Wie beurteilt die Landesregierung die Wirksamkeit der Nr. 4 bis 8 genannten Maßnahmen?
13. Wie viele Polizeibeamte wurden seit 2004 als verdeckte Ermittler im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Mafia-Kriminalität eingesetzt, und an wie vielen Einsätzen waren sie beteiligt?
14. Wie geht die Landesregierung gegen Schutzgelderpressungen vor?
15. Inwiefern unterstützt die Landesregierung die “Mafia? Nein, Danke!” -Kampagne mit welchen konkreten Mitteln?
16. Welche Möglichkeiten sieht die Landesregierung, abgeschöpfte Verbrechensgewinne zu Zwecken der Bekämpfung der Mafia Kriminalität durch die Strafverfolgungsbehörden zu verwenden?
17. Welche Maßnahmen hält die Landesregierung auf Bundes- und Landesebene zur Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Mafia-Kriminalität für notwendig und vordringlich?
18. Welche neuen Ansätze zur Bekämpfung der Mafia-Kriminalität sollten sich nach Ansicht der Landesregierung aus dem sog. “Stockholmer Programm“ der Europäischen Union ergeben?
19. Welchen weiteren Handlungsbedarf sieht die Landesregierung für eine wirksame Bekämpfung der Mafia-Kriminalität im Zusammenhang mit der Erweiterung der Europäischen Union?
20. Mafiazugehörigkeit ist in Deutschland kein Strafdelikt. Wie steht die Landesregierung zur Umsetzung des EU-Rahmenbeschlusses zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität?
21. Fällt nach Ansicht der Landesregierung die Mitgliedschaft in einer Mafia-Organisation unter den Straftatbestand des § 129 b Strafgesetzbuch (Kriminelle Vereinigungen im Ausland)?
22. Wie viele Anklagen nach § 129 b Strafgesetzbuch sind seit dem Jahr 2004 in Nordrhein- Westfalen erhoben worden?
23. Wie steht die Landesregierung zu verstärkten Meldepflichten bei Verdacht auf Mafiabezügen?
24. Was gedenkt die Landesregierung zu tun, um die Öffentlichkeit über die Gefahren, die
von der Mafia für die Demokratie ausgehen, aufzuklären?
25. Gibt es in Nordrhein-Westfalen keine Mafiaexperten oder wie ist es zu erklären, dass ein mehrfach im BKA-Lagebericht genannter, aus San Luca stammender Duisburger Gastronom sowie ein im Zwielicht befindlicher Produzent von kalabrischer Mafiamusik an der Universität Bochum Schülern und Studenten das Wesen und Eigenschaft der Mafia erklären?
26. Welchen sonstigen Handlungsbedarf und welche Handlungsmöglichkeiten sieht die Landesregierung auf Bundes- und Landesebene, um die Bekämpfung der Mafia Kriminalität zu verbessern?
27. Welchen Bedarf sieht die Landesregierung bei der Verbesserung der Ausbildung und Fortbildung von Polizeibeamten, Staatsanwälten und Richtern für eine effektivere Verfolgung der Mafiakriminalität?

Hannelore Kraft
Carina Gödecke
Ralf Jäger
Dr. Karsten Rudolph
und Fraktion

Quelle: Landtag NRW vom 27. August 2009

“Der Mafia geht es so gut wie vor mindestens 20 Jahren”

Samstag, den 15. August 2009

“Die Mafia kann in Italien und der ganzen Welt nur weiterbestehen, solange sie Teil der Gesellschaft und der Politik ist. Sie vertritt die Interessen der Politik, die Politik wird also immer die Mafia unterstützen. Dass dahinter nicht nur die Mafia steckt (den Mord an Falcone, p-r), war von Anfang an klar und die Politiker werden versuchen, das ganze so schnell wie möglich zu vertuschen. Seine Aussage ist unkonkret. Staatsanwälte und Polizei müssen sich irgendwie einreden, dass es besser geworden ist. Ich sehe überhaupt keine Fortschritte, im Gegenteil: Der Mafia geht es so gut wie vor mindestens 20 Jahren.”
Petra Reski in: der standard

Die MAFIA in Duisburg XXXVIII

Montag, den 15. Dezember 2008

Während – wie man hört – die Sonderkommissionen aufgelöst werden und wieder der Alltag eingezogen ist, meldet sich in Italien der mutmaßliche Teilnehmer am Da Bruno-Massaker in Duisburg in der italienischen Wochenzeitung PANORAMA zu Wort.
Und was sagt Giovanni Strangio: Naja, das übliche: Ich wars nicht.
“In dem Interview bezeichnete sich Giovanni Strangio als unschuldig verfolgter Italiener, dem nichts anders vorzuwerfen sei, als in San Luca geboren worden zu sein – ein armer, arbeitsamer Italiener, den die Arbeitslosigkeit zwang, nach Deutschland zu emigrieren. Einer, der nach dem Massaker von Duisburg in Sippenhaft genommen worden sei. Für den Mafioso war das Interview ein voller Erfolg. Denn ihm gelang es nicht nur, darin die Existenz der ‘Ndrangheta zu leugnen, sondern auch sich als zärtlich sorgender Vater darzustellen, dessen junge Ehefrau nichts anderes sehnlicher erwartet, als die Rückkehr des zu Unrecht Verfolgten.”
Quelle: reskisrepublik

Die MAFIA in Duisburg XXXVI

Samstag, den 6. Dezember 2008

“(…) In Erfurt machte der Kalabrier Spartaco Pitanti von sich reden, der bereits im Jahr 2000 in einem BKA-Bericht erwähnt wurde. Pitanti betrieb in Erfurt das Restaurant ‘Paganini im Gildehaus’: ein Restaurant mit 400 Plätzen, kein schlechter Anfang für jemanden wie Pianti, der laut Aussagen von Ermittlern einst als Pizzabäcker in der Pizzeria ‘Da Bruno’ angefangen hat. (…) Als die Polizei wegen Pitantis mutmaßlicher Beteiligung an einem Mord eine Hausdurchsuchung im Restaurant ‘Paganini’ machte, traf sie dort auf den damaligen thüringischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel und seinen Innenminister Richard Drewes – beide hätten sich durch Zufall dort aufgehalten, beteuerte Pitanti. Der im Übrigen ohnehin über exzellente Beziehungen zur Polizei verfügt: Bei einer weiteren Durchsuchung hatte die Polizei bei ihm einen Ausweis für eine Interpol-Konferenz in Rom gefunden, der ihn als Übersetzer für die usbekische Delegation auswies. Der Ausweis sei vom saarländischen Innenminister ausgestellt worden.”
Quelle: Petra Reski MAFIA, Seite 157-158

“Wie oft sind hier auf dem Präsidium (gemeint ist das Duisburger Polizei-Präsidium, p-g) Italiener vernommen worden, die mittelos nach Deutschland kamen, ein halbes Jahr als Pizzabäcker arbeiteten und schließlich die halbe Innenstadt von Duisburg kauften? Und die auf die Frage, woher das Geld komme, sagten: von meinem Onkel in Italien”
Quelle: Reski, Mafia, Seite. 193

Der Mann ist wirklich aktiv:
“Kassel. Das Warten hat ein Ende. Anfang September wird ein neues Restaurant an der Garnisonkirche (Entenanger) eröffnet. Die bisherigen Namen Rossini und Caruso sind dann Geschichte. “Wir fangen ganz neu an und nehmen dafür noch einmal richtig Geld in die Hand”, sagt Eigentümer Joachim Loh. 150 000 Euro steckt der 65-jährige Unternehmer aus Haiger, der in Kassel auf die Welt kam, in die Renovierung. Noch mehr Geld investiert sein neuer Pächter Spartaco Pitanti. Er steigt mit 400 000 Euro ein.”
Quelle: Nachrichten Kassel, 3.7.2008

Die MAFIA in Duisburg XXXV

Freitag, den 28. November 2008

Die Klage Milsers gegen den Droemer Verlag wurde gestern von der 8. Zivilkammer des Duisburger Landgerichts zurückgewiesen

“Im einstweiligen Verfügungsverfahren entschieden die Richter, dass die von Milser beanstandeten Textpassagen “keine falsche Tatsachenbehauptung” darstellten. Der Verlag habe im Prozess hinreichend glaubhaft gemacht, dass ein in dem Buch zitierter Bericht des Bundeskriminalamtes authentisch sei.
In diesem Bericht über die Aktivitäten der ‘Ndrangheta in Deutschland, so schreibt es die Autorin Reski, habe das BKA gegen die Inhaber des Landhauses Milser wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelt. Ohne Ergebnis, auch das steht in dem Buch. “

Quelle: derWesten 27.11.08

W e r hat denn da eigentlich ermittelt bzw. das Verfahren offenbar eingestellt? Das bleibt unklar. Das BKA bzw. die Bundesanwaltschaft werden es vermutlich nicht gewesen sein – die schalten sich bekanntermaßen nur bei “ganz harten Fällen” ein.
Zweite Frage: Wieso ist es eigentlich zu einem Anfangsverdacht wegen Geldwäsche gekommen – die ermitteln doch nicht einfach ins Blaue hinein? (Danke an O.)

Ach ja: heute ergeht das Urteil im Prozess Pelle vs. Droemer-Verlag. Herr Pelle wird, so vermute ich, ebenfalls eine Abfuhr vor Gericht bekommen.

Die MAFIA in Duisburg XXXIV

Samstag, den 22. November 2008

Petra Reskis „Mafia“-Buch trotz Verbots mit Schwärzungen auch weiterhin erhältlich

München, 20. November 2008 – Der Droemer-Verlag hat heute eine beim Landgericht München I erwirkte Einstweilige Verfügung gegen das Buch der deutschen Journalistin Petra Reski mit dem Titel „Mafia: Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ erhalten.
Beantragt wurde die Einstweilige Verfügung von den Anwälten des Gastronomen Spartaco Pitanti *, dessen Aktivitäten Petra Reski in ihrem von der deutschen Presse hoch gelobten Buch, das sich auch mit den Verstrickungen der Mafia in Deutschland beschäftigt, beschreibt. Eine kurze Passage über Spartaco Pitanti darf vorerst nicht weiter verbreitet werden.
Der Verlag wird Widerspruch gegen die Einstweilige Verfügung einlegen und ist zuversichtlich, dass diese aufgehoben werden wird. Bis dahin muss der Verlag das Verbot beachten und die betroffene Textstelle schwärzen.
Bei einer Lesung in Erfurt, wo Spartaco Pitanti bestens bekannt ist, da er dort über lange Jahre ein Restaurant betrieben hat, war es in der vergangenen Woche zu verbalen Angriffen gegen Petra Reski gekommen, an denen sich mehrere Personen aus dem Publikum, sowie der ebenfalls anwesende ehemalige Bürgermeister von Erfurt beteiligten. Mittlerweile gibt es zu diesem Vorfall auch Reaktionen von italienischen Spezialisten: Der Chef des Mobilen Einsatzkommandos von Reggio Calabria kommentierte gegenüber der Autorin den Vorfall in Erfurt: Es sei erstaunlich, dass die deutsche Polizei eine solche Veranstaltung ohne Polizeischutz gelassen habe – und ohne die Dokumente aller zu kontrollieren, die sich an der Diskussion beteiligten.
Weder Verlag noch Autorin lassen sich allerdings verunsichern. Bei einer ausverkauften Veranstaltung im Münchner Literaturhaus am letzten Sonntag sagte Petra Reski auf eine entsprechende Frage des Moderators Giovanni di Lorenzo, der auf das Schicksal des zur Zeit im Untergrund lebenden Anti-Mafia-Autors Roberto Saviano verwies: „Nein, ich habe keine Angst vor der Mafia“.

Quelle: reskisrepublik

Nicht nur ich würde mich freuen, wenn Petra Reski auch in Duisburg eine Autorenlesung veranstalten würde. Die Reaktion einiger “Zuhörer” auf die Duisburg-Passagen in ihrem Buch wird wahrscheinlich wie in Erfurt ausfallen. Dagobert Lindlau (der übrigens mit dem Buch DER MOB eines der wichtigsten Bücher über das organisierte Verbrechen in Deutschland schrieb, und zwar schon 1989!) schildert im genannten Buch eine ähnliche Geschichte wie in Erfurt (siehe oben): “Schon zu Beginn der Veranstaltung (ein Vortrag an einer Uni in München, p-r), fallen mir in der ersten Reihe zwei junge Männer auf. Sie unterscheiden sich von den anderen Studenten. Beide sind leger und teuer angezogen (…) Statt der Nieten sitzen an den Taschen unauffällige Brillianten (…) Sie verfolgen die akademische Diskussion mit gerunzelter Stirn. Die Naivität einiger Fragen amüsiert sie. Unsere Antworten erregen ihre Mißbilligung. Gegen Ende der Veranstaltung meldet sich der Große zu Wort: Er wolle etwas Prinzipielles zu unserer Sendung über das “sogenannte” organisierte Verbrechen sagen. Die Sendung sei “einseitig, unobjektiv und unausgewogen” (sic) gewesen, denn sie habe Partei gegen das organisierte Verbrechen ergriffen. (…) In der üblichen Manier des Fernsehens hätten wir “manipuliert” und einerseits “unterschlagen”, was für das organisierte Verbrechen, und “hochgespielt”, was gegen das organisierte Verbrechen spreche. (…) Mir ist nur allzu klar, daß es sich bei unseren Diskutanten um Interessenvertreter aus dem Mob handeln muß”
(in: Dagobert Lindlau, DER MOB, Seite 253-254)

Der ehemalige Bürgermeister von Erfurt (neben dem Ruhrgebiet eine der deutschen Hochburgen der ‘Ndrangheta) ist auch Petra Reski in dem ZDF-Film “Im Netz der Mafia” aufgefallen: “Beeindruckt hat mich das Statement des ehemaligen Erfurter Bürgermeisters Manfred Ruge – der auf die Frage, ob man nicht vielleicht etwas leichtfertig die Augen angesichts der Investition von Mafiageldern verschlossen habe, mit entwaffnender Offenheit stammelte:
‘Bedeutet das ‘mafiose Strukturen’, wenn schmutziges Geld, das woanders schmutzig verdient worden ist … und dann hier letzten Endes hier an den Mann gebracht wird … ist denn nicht die Ursache des Ganzen die, ich sag mal: die Struktur … die es ermöglicht, dass diese Schutzgelder … diese Gelder aus dem Drogenmilieu und wo auch immer … dass die überhaupt erst mal verdient werden können? Dort ist doch eigentlich der Ansatz! Und dort passiert doch eigentlich auch das, was dann anschließend dann als Auswirkung woanders passiert … die Auswirkung des Geldausgebens oder die Auswirkung der Auseinandersetzung miteinander … die passieren doch dann vielleicht überall … Aber irgendwo wird doch dieses Geld verdient!’
Will sagen: Die Mafia ist das Problem Italiens. Mir doch egal, woher das Geld kommt. Hauptsache Geld.”

Quelle: reskisrepublik
Ja, genau, das ist der ehemalige Bürgermeister aus Erfurt auf der Autorenlesung von Petra Reski.

* Die italienische Zeitung repubblica:
“Spartaco Pitanti ist einer der wichtigsten Organisatoren der ‘Ndrangheta aus Kalabrien – insbesondere von San Luca – für Investitionsentscheidungen zum Kauf von Restaurants, Pizzerien und Hotels in der Gegend von Duisburg und Erfurt.”
Quelle: espresso.repubblica.it

Die MAFIA in Duisburg XXXIII

Sonntag, den 9. November 2008

Auch in Rom wird befürchtet, das durch Verteilungskämpfe der ‘Ndrangheta-Clans Nirta-Strangio und Pelle-Vottari Vergeltungsaktionen wie in Duisburg passieren. Kontrolle des Territoriums nennt sich das, denn immer mehr Drogengelder der ‘Ndrangheta werden in Hotels und Restaurants in Rom angelegt. Dies passt zu unserer Vermutung, das das Da Bruno-Massaker im wesentlichen ein Verteilungskampf innerhalb der ‘Ndrangheta-Clans war und weniger eine Familienfehde.
Quelle: Antimafia Duemila 25. Oktober 2008

Nachtrag zum Prozeß gegen das Buch MAFIA von Petra Reski:
“Antonio Pelle und Rolf Milser, gemeinsame Inhaber des Landhauses Milser, werden von Reski dabei eine gewisse Nähe zur Mafia vorgeworfen. So spricht Reski von Geldwäsche und verwandtschaftlichen Verhältnissen Pelles zu Mitgliedern der Ndrangheta, der kalabrischen Mafia. Zudem behauptet Reski, dass das Landhotel zeitweise dem international gesuchten Clanführer Antonio Romeo als Unterschlupf gedient habe.”
Quelle: DerWesten 5.11.2008

Das Blog von der von mir sehr geschätzten Petra Reski reskirepublik – Die Welt und Venedig. Mafia und Blondienen findet man hier:
“Es war der sizilianische Schriftsteller Leonardo Sciascia, der Anfang der Siebzigerjahre die Theorie von der Palmengrenze prägte: Gemäß einer geologischen Theorie verschiebe sich die Verbreitungsgrenze der Palme aufgrund der Erderwärmung jedes Jahr mehrere hundert Meter weiter nach Norden. Palmen würden also in absehbarer Zeit auch an Orten wachsen, an denen sie heute undenkbar seien. Und genau so verhalte es sich mit der Verbreitung der Mafia. Sie existiere bereits in Norditalien, und werde weiter nach Norden ziehen. Weil sie kein Gegenstaat sei, sondern sich in den Eingeweiden des Staates einniste.
Jetzt wachsen Palmen auch schon in Duisburg und in Erfurt.”
Quelle: reskirepublik


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