Friedlich liegen sie in der Meierschen Buchhandlung nebeneinander: drei neue Bücher über die Mafia, in zwei davon kommt Duisburg und das Da Bruno-Massaker vor:

Ich fange mal mit dem Buch von Petra Reski an: mein erster Tip: kaufen und lesen. Titel und Untertitel dieses wirklich guten Buches sind leider dem Marketing geschuldet: es kommen zwar viele Paten vor, wenig Pizzerien, aber die im Untertitel erwähnten “falschen Prister” sind tatsächlich richtige Priester. Durch diesen wirklich dämlichen Untertitel geht verloren, um was es auch in diesem Buch geht: die Beschreibung der Duldung und Deckung der Mafia durch katholischer Kirchenmänner.
Während Savianos Buch Gomorrah wunderbar zu lesende Literatur mit einem eher traurig-melancholischen Unterton ist, schreibt Reski als Journalistin. Und es ist wieder Literatur herausgekommen, nur eben eine etwas andere. Schwerpunkte sind bei ihr wie schon angemerkt: die katholischen Priester, aber auch die Rolle der Frauen und der Kinder der Mafiosi, dann die Verbindung von Politik und Mafia besonders am Beispiel Silvio Berlusconis. Mehr dazu im zweiten Teil. Jetzt erst einmal ein paar Schmankerl aus dem Buch zu Duisburg und der ‘Ndrangheta-Verbindung:
“Ziel unseres Ausfluges war das Landhaus Milser. Ein Hotel, das ‘Ausdruck südlichen Lebensgefühls’ sei, wie der Hotelprospekt verhießt. Es befand sich am Rande von Duisburg, zwischen Wiesen und kleinen Waldstücken.
C…) In einer Truhe neben dem Eingang waren einige Medaillen des Gewichthebers Rolf Milser ausgestellt, der das Hotel zusammen mit dem Kalabresen Antonio Pelle gegründet hatte. Berühmt wurde das Hotel, als es während der Weltmeisterschaft 2006 die italienische Fußballnationalmannschaft beherbergte. Und als das Massaker von Duisburg geschah. In jenen Augusttagen gab es kaum ein Interview, in dem sich der kalabresische Besitze , der aus San Luca stammende Antonio Pelle, nicht dagegen verwehrt hätte, in Sippenhaft genommen zu werden: Nicht alle aus San Luca stammenden Kalabresen seien Mafiosi, lieber wäre er auf dem Mond zur Welt gekommen als in San Luca.
Tatsächlich war das Hotel schon geraume Zeit zuvor dem Bundeskriminalamt aufgefallen. In seinem Bericht über die ‘Ndrangehta in Deutschland tauchen sowohl Rolf Milser als auch Antonio Pelle auf, gegen die wegen des Verdachts auf Geldwäche ermittelt wurde. Obwohl weder Antonio Pelle noch Rolf Milser über genügend finanzielle Mittel verfügt hätten, so der Bericht, konnten sie für neunzehn Millionen Mark das Hotel ‘landhaus Milser’ errichten – pikanterweise noch dazu in einem Wasserschutzgebiet. Spätere Ermittlungen konnten keine Anhaltspunkte für Geldwäscheaktivitäten finden, sie stellten nur fest, dass das Hotel mit Hilfe von EU-Subventionen sowie mit Krediten des Bundes, des Landes und der Stadt finanziert worden sei. Antonio Pelle habe verwandtschaftliche Beziehungen zu dem ‘Ndrangheta-Clan Romeo. Und auch Rolf Milser sei diesem verwandtschaftlich verbunden: Rolf Milsers Exfrau ist die Schwägerin von Antonio Pelle.
Auch wenn keine illegalen Geldströme nachgewiesen werden konnten, biete das Hotel eine hervorragende Möglichkeit, international gesuchte Clanmitglieder zu verstecken und bei der Tilgung der Kredite Gelder zu waschen, stellt der BKA-Bericht fest. Italienischen Ermittlern zufolge habe sich der international gesuchte Clanführer Antonio Romeo eine Zeitlang in dem Hotel versteckt gehalten. Und ein abtrünniger Mafioso gab an, dass der Lebensmittellieferant des Hotels, ein aktenkundiger ‘Ndranghetista, angeblich fünfzehn Millionen Mark für ein Hotel in Duisburg gezahlt habe. Das Landhaus Milser. Gesicherte Erkenntnisse gibt es aber dazu nicht.
So weit das BKA. (…)
Als Don Pino, der Pfarrer von San Luca, nach Duisburg gereist war, um seine Versöhnungsmesse abzuhalten, verbrachte er die Nacht in dem Landhotel Milser. Wie es sich für Kalabresen gehört. Landsleute sind immer füreinander da.
Petra Reski “MAFIA – Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern”, Droemer Verlag, Seiten 196–199
Nachtrag: Während ich noch am Korrigieren bin, lesen schon mehrere Leute diesen Artikel, scheint ja doch interessant zu sein.