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Die MAFIA in Duisburg XXXV

Freitag, den 28. November 2008

Die Klage Milsers gegen den Droemer Verlag wurde gestern von der 8. Zivilkammer des Duisburger Landgerichts zurückgewiesen

“Im einstweiligen Verfügungsverfahren entschieden die Richter, dass die von Milser beanstandeten Textpassagen “keine falsche Tatsachenbehauptung” darstellten. Der Verlag habe im Prozess hinreichend glaubhaft gemacht, dass ein in dem Buch zitierter Bericht des Bundeskriminalamtes authentisch sei.
In diesem Bericht über die Aktivitäten der ‘Ndrangheta in Deutschland, so schreibt es die Autorin Reski, habe das BKA gegen die Inhaber des Landhauses Milser wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelt. Ohne Ergebnis, auch das steht in dem Buch. “

Quelle: derWesten 27.11.08

W e r hat denn da eigentlich ermittelt bzw. das Verfahren offenbar eingestellt? Das bleibt unklar. Das BKA bzw. die Bundesanwaltschaft werden es vermutlich nicht gewesen sein – die schalten sich bekanntermaßen nur bei “ganz harten Fällen” ein.
Zweite Frage: Wieso ist es eigentlich zu einem Anfangsverdacht wegen Geldwäsche gekommen – die ermitteln doch nicht einfach ins Blaue hinein? (Danke an O.)

Ach ja: heute ergeht das Urteil im Prozess Pelle vs. Droemer-Verlag. Herr Pelle wird, so vermute ich, ebenfalls eine Abfuhr vor Gericht bekommen.

Die MAFIA in Duisburg XXXIII

Sonntag, den 9. November 2008

Auch in Rom wird befürchtet, das durch Verteilungskämpfe der ‘Ndrangheta-Clans Nirta-Strangio und Pelle-Vottari Vergeltungsaktionen wie in Duisburg passieren. Kontrolle des Territoriums nennt sich das, denn immer mehr Drogengelder der ‘Ndrangheta werden in Hotels und Restaurants in Rom angelegt. Dies passt zu unserer Vermutung, das das Da Bruno-Massaker im wesentlichen ein Verteilungskampf innerhalb der ‘Ndrangheta-Clans war und weniger eine Familienfehde.
Quelle: Antimafia Duemila 25. Oktober 2008

Nachtrag zum Prozeß gegen das Buch MAFIA von Petra Reski:
“Antonio Pelle und Rolf Milser, gemeinsame Inhaber des Landhauses Milser, werden von Reski dabei eine gewisse Nähe zur Mafia vorgeworfen. So spricht Reski von Geldwäsche und verwandtschaftlichen Verhältnissen Pelles zu Mitgliedern der Ndrangheta, der kalabrischen Mafia. Zudem behauptet Reski, dass das Landhotel zeitweise dem international gesuchten Clanführer Antonio Romeo als Unterschlupf gedient habe.”
Quelle: DerWesten 5.11.2008

Das Blog von der von mir sehr geschätzten Petra Reski reskirepublik – Die Welt und Venedig. Mafia und Blondienen findet man hier:
“Es war der sizilianische Schriftsteller Leonardo Sciascia, der Anfang der Siebzigerjahre die Theorie von der Palmengrenze prägte: Gemäß einer geologischen Theorie verschiebe sich die Verbreitungsgrenze der Palme aufgrund der Erderwärmung jedes Jahr mehrere hundert Meter weiter nach Norden. Palmen würden also in absehbarer Zeit auch an Orten wachsen, an denen sie heute undenkbar seien. Und genau so verhalte es sich mit der Verbreitung der Mafia. Sie existiere bereits in Norditalien, und werde weiter nach Norden ziehen. Weil sie kein Gegenstaat sei, sondern sich in den Eingeweiden des Staates einniste.
Jetzt wachsen Palmen auch schon in Duisburg und in Erfurt.”
Quelle: reskirepublik

Die MAFIA in Duisburg XXXI

Samstag, den 8. November 2008

Geld statt Ehre?

“München, den 5. November 2008 – In der heutigen, teilweise sehr emotional geführten Verhandlung vor dem Landgericht Duisburg zur von Antonio Pelle beantragten Einstweiligen Verfügung gegen das im Droemer Verlag erschienene Buch der Journalistin Petra Reski „Mafia – Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ hat es einen überraschenden Vorschlag des Antragstellers gegeben: Gegen eine Zahlung von 10.000 bis 15.000 Euro dürfe der Name des Antragstellers weiterhin genannt und das Buch unverändert im Umlauf bleiben. Der Antrag war darauf gerichtet, dass der Name Pelles nicht weiterhin genannt werden darf. Der von Droemer beauftragte Anwalt hatte demgegenüber vorgeschlagen, den Namen Pelles und das Landhaus Milser in zukünftigen Auflagen des Buches zu verändern.
Der Verlag zum ungewöhnlichen Vorschlag: „Wir fragen uns ernsthaft, worum es dem Antragsteller eigentlich geht. Das überraschende Vergleichsangebot der Gegenseite verstehen wir jedenfalls so, dass die angebliche Schädigung des Ansehens letztlich doch nicht so schwerwiegend zu sein scheint, als dass man sie nicht mit einer Geldzahlung begleichen könnte. Vermutlich geht es doch wohl eher darum, hier schnelles Geld zu machen, und weniger darum, Persönlichkeitsrechte zu wahren. Die Gegenseite führt damit ihren eigenen Antrag auf eine Einstweilige Verfügung ad absurdum.“

Quelle: Pressemitteilumg Droemer-Knaur Verlag

Die MAFIA in Duisburg XXX

Donnerstag, den 6. November 2008

“Durch das vor drei Wochen im Münchner Droemer Knaur Verlag erschienene Werk „Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern” sieht Hotelier Antonio Pelle seine Persönlichkeitsrechte verletzt und geht per Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den Verlag vor. Auf drei Seiten des 336 Seiten umfassenden Buches werden Pelle, Geschäftspartner Rolf Milser und das von ihnen gemeinsam betriebene Hotel in Huckingen („Landhaus Milser”) in Zusammenhang mit der Mafia genannt. Autorin Petra Reski bezieht sich auf einen internen Ermittlungsbericht des BKA, wonach es erfolglose Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche gegeben habe. Das „Landhaus Milser” soll auch einem Mafia-Boss als Unterschlupf gedient haben – Behauptungen, die Pelle nicht auf sich sitzen lassen will.”
Quelle: DerWesten 5.11.08

Die beanstandete Passage findet sich hier.

Es gab ja nicht nur Hinweise des BKA zum “Landhaus Milser”,  sondern auch in der italienischen Zeitung L’espresso stand einiges zu lesen:

Nella lista del rapporto sono citati il ristorante da Bruno. E c’è anche l’hotel Landhaus Misler, quello che ha ospitato gli azzurri ai trionfali Mondiali di Germania, albergo “indubbiamente finanziato con mezzi legali, ma che offre anche eccellenti possibilità per la sistemazione dei latitanti appartenenti al clan”, si legge nell’informativa. Prosegue la nota dei carabinieri:”Le famiglie mafiose di San Luca hanno fondato basi logistiche in Germania molto importanti. Le principali possono considerarsi senza dubbio nelle città di Duisburg, Erfurt e nel frattempo anche Lipsia”.

Weiter im Artikel von DerWesten:

“In der kommenden Woche wird das Buch „Mafia” wieder Thema im Gericht sein. Dann beschäftigt sich die 8. Zivilkammer mit einer Milser-Klage gegen Droemer Knaur.”

Oder wie es in einem Kommentar zum DerWesten-Artikel heißt: “War da nicht mal was mit 5 Kg Koka in den 80 zigern zur Finanzierung der Hütte, oder so ?”

Oder auch dieser Kommentar von O., der mich auf den Artikel vom DerWesten hinwies: “(…) ich kann es hier bestätigen, egal bei welcher Gelegenheit man in Duisburg den Namen Rolf M. erwähnt,  ob beim Friseur, am Kneipentresen oder im Sportverein, fast jeder antwortet Dir spontan “Koks!”, obwohl der gute Mann wohl niemals in einer Kokerei gearbeitet haben dürfte.”

Die MAFIA in Duisburg XXVII

Freitag, den 17. Oktober 2008

Friedlich liegen sie in der Meierschen Buchhandlung nebeneinander: drei neue Bücher über die Mafia, in zwei davon kommt Duisburg und das Da Bruno-Massaker vor:

Ich fange mal mit dem Buch von Petra Reski an: mein erster Tip: kaufen und lesen. Titel und Untertitel dieses wirklich guten Buches sind leider dem Marketing geschuldet: es kommen zwar viele Paten vor, wenig Pizzerien, aber die im Untertitel erwähnten “falschen Prister” sind tatsächlich richtige Priester. Durch diesen wirklich dämlichen Untertitel geht verloren, um was es auch in diesem Buch geht: die Beschreibung der Duldung und Deckung der Mafia durch katholischer Kirchenmänner.
Während Savianos Buch Gomorrah wunderbar zu lesende Literatur mit einem eher traurig-melancholischen Unterton ist, schreibt Reski als Journalistin. Und es ist wieder Literatur herausgekommen, nur eben eine etwas andere. Schwerpunkte sind bei ihr wie schon angemerkt: die katholischen Priester, aber auch die Rolle der Frauen und der Kinder der Mafiosi, dann die Verbindung von Politik und Mafia besonders am Beispiel Silvio Berlusconis. Mehr dazu im zweiten Teil. Jetzt erst einmal ein paar Schmankerl aus dem Buch zu Duisburg und der ‘Ndrangheta-Verbindung:
“Ziel unseres Ausfluges war das Landhaus Milser. Ein Hotel, das ‘Ausdruck südlichen Lebensgefühls’ sei, wie der Hotelprospekt verhießt. Es befand sich am Rande von Duisburg, zwischen Wiesen und kleinen Waldstücken.
C…) In einer Truhe neben dem Eingang waren einige Medaillen des Gewichthebers Rolf Milser ausgestellt, der das Hotel zusammen mit dem Kalabresen Antonio Pelle gegründet hatte. Berühmt wurde das Hotel, als es während der Weltmeisterschaft 2006 die italienische Fußballnationalmannschaft beherbergte. Und als das Massaker von Duisburg geschah. In jenen Augusttagen gab es kaum ein Interview, in dem sich der kalabresische Besitze , der aus San Luca stammende Antonio Pelle, nicht dagegen verwehrt hätte, in Sippenhaft genommen zu werden: Nicht alle aus San Luca stammenden Kalabresen seien Mafiosi, lieber wäre er auf dem Mond zur Welt gekommen als in San Luca.
Tatsächlich war das Hotel schon geraume Zeit zuvor dem Bundeskriminalamt aufgefallen. In seinem Bericht über die ‘Ndrangehta in Deutschland tauchen sowohl Rolf Milser als auch Antonio Pelle auf, gegen die wegen des Verdachts auf Geldwäche ermittelt wurde. Obwohl weder Antonio Pelle noch Rolf Milser über genügend finanzielle Mittel verfügt hätten, so der Bericht, konnten sie für neunzehn Millionen Mark das Hotel ‘landhaus Milser’ errichten – pikanterweise noch dazu in einem Wasserschutzgebiet. Spätere Ermittlungen konnten keine Anhaltspunkte für Geldwäscheaktivitäten finden, sie stellten nur fest, dass das Hotel mit Hilfe von EU-Subventionen sowie mit Krediten des Bundes, des Landes und der Stadt finanziert worden sei. Antonio Pelle habe verwandtschaftliche Beziehungen zu dem ‘Ndrangheta-Clan Romeo. Und auch Rolf Milser sei diesem verwandtschaftlich verbunden: Rolf Milsers Exfrau ist die Schwägerin von Antonio Pelle.
Auch wenn keine illegalen Geldströme nachgewiesen werden konnten, biete das Hotel eine hervorragende Möglichkeit, international gesuchte Clanmitglieder zu verstecken und bei der Tilgung der Kredite Gelder zu waschen, stellt der BKA-Bericht fest. Italienischen Ermittlern zufolge habe sich der international gesuchte Clanführer Antonio Romeo eine Zeitlang in dem Hotel versteckt gehalten. Und ein abtrünniger Mafioso gab an, dass der Lebensmittellieferant des Hotels, ein aktenkundiger ‘Ndranghetista, angeblich fünfzehn Millionen Mark für ein Hotel in Duisburg gezahlt habe. Das Landhaus Milser. Gesicherte Erkenntnisse gibt es aber dazu nicht.
So weit das BKA. (…)
Als Don Pino, der Pfarrer von San Luca, nach Duisburg gereist war, um seine Versöhnungsmesse abzuhalten, verbrachte er die Nacht in dem Landhotel Milser. Wie es sich für Kalabresen gehört. Landsleute sind immer füreinander da.

Petra Reski “MAFIA – Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern”, Droemer Verlag, Seiten 196–199

Nachtrag: Während ich noch am Korrigieren bin, lesen schon mehrere Leute diesen Artikel, scheint ja doch interessant zu sein.

Die MAFIA in Duisburg XXV

Donnerstag, den 16. Oktober 2008

“Die italienische Polizei hat einen weiteren Boss der kalabrischen Mafia-Organisation ‘Ndrangheta festgenommen, der indirekt im Zusammenhang mit den Mafia-Morden von Duisburg stehen soll. Sondereinheiten aus der süditalienischen Stadt Reggio Calabria nahmen im Morgengrauen Antonio Pelle – auch bekannt als “La Mamma” – fest, berichteten italienische Medien.”
Quelle: n-tv.de

Antonio Pelle – nicht zu verwechseln mit dem Besitzer des Duisburger Hotel Landhaus Milser. Über den gibts allerdings auch etwas Neues zu berichten: in dem neuen Buch von Rita Reski – Mafia: Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern. Mehr dazu morgen.


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