1. 6,3 Milliarden; 1,3 Milliarden; 1,1 Milliarden
2. 15 % versus 75 %; 85 % versus 25 %
3. 1.000 Milliarden; 500, bzw. 160 Milliarden € versus 175 Milliarden €
4. 52 Milliarden € versus 200 Milliarden €; 30 : 1 → 74 : 1
5. 30 Milliarden €
6. 2.000 Milliarden €; 320 Milliarden €; 60 Milliarden €
7. 800 Millionen; 0,3 %; 2 %
8. 40.000; 25.000; 25.000
9. 4,5 % versus 25 %; 7,5 % versus 16 %
10. 8 Millionen
11. 10 + 10 + 20 %
12. 1.300 Milliarden, 40 und 100 Milliarden €
13. Minus 1 Prozent
1. Die Erde hat derzeit 6,3 Milliarden Bewohner.
Von diesen lebt mehr als ein Drittel in zwei Ländern, in einer Art Subkontinent: in der VR China (1,3 Mrd.) und in Indien (1,1 Mrd.). Diese beiden Länder verzeichnen im vergangenen Jahrzehnt exorbitante Wachstumsraten (im Durchschnitt 9 bzw. 8 Prozent/Jahr), beginnen ihre Aufholjagd im kapitalistischen Wettbewerb jedoch von einem sehr niedrigen Level.
* In der VR China erzeugten 2005 19 Prozent der Erdbevölkerung mit ca. 2.300 Mrd. € sieben Prozent der erdweiten Produktion;
* Bei einem Anteil von 17 Prozent an der Erdbevölkerung trägt Indien mit 600 Mrd. € rund zwei Prozent zur erdweiten Produktion bei.
(Zum Vergleich: Deutschland erwirtschaftet mit seinen 82 Millionen Menschen (1,3 % der Erdbevölkerung) etwa 2.300 Mrd. €.)
2. Die drei ökonomischen Kraftzentren der Erde sind
die EU mit 450 Millionen Einwohnern,
die USA mit 290 Millionen Einwohnern und
Japan (+ „Tigerstaaten“) mit 125 + 125 Millionen = 250 Millionen;
Sie machen etwa 15 Prozent der Erdbevölkerung aus, verfügen dabei über ca. 75 Prozent des Reichtums der Erde. Was für die 85 Prozent der Übrigen bedeutet, dass sie über 25 Prozent verfügen.
3. Auf der Erde werden derzeit jährlich ca. 1.000 Mrd. € für Rüstung ausgegeben
(ca. 1.200 Mrd. US-$). Hiervon entfallen 42 Prozent auf die USA der Regierung Bush jun., die EU der 25 bestreitet 20 Prozent der erdweiten Aufwendungen.
Für die Deckung der sozialen Grunddienste (bspw. Grundbildung, Gesundheitsdienst, Wasserversorgung) aller Menschen veranschlagt die UNO etwa 175 Mrd. €.
Zwischen 80 und 90 Prozent aller Kriege finden ihre Ursache in erster Linie in der ungleichen Verteilung des Reichtums der Erde. Nicht in religiösen oder ethnischen Ursachen.
4. Die reichen Staaten der Erde brachten in 2005 etwa 52 Mrd. € (65 Mrd. US-$) für Entwicklungshilfe auf
(In einigen Statistiken findet sich die Zahl von 100 Mrd. $ – hier wurde dann der Schuldenerlass (s.u.) mit eingerechnet…).
Etwa 80 Prozent dieser Gelder floss direkt in Unternehmen aus diesen wohlhabenden Staaten.
Und: Gleichzeitig wurden von den reichen Industriestaaten ca. 200 Mrd. € für Abschottungsmaßnahmen gegen die Produkte der sog. „3. Welt“ aufgewandt. Die Kluft zwischen den Einkommen im reichsten Fünftel der Erde zu denen im ärmsten Fünftel der Erde ging von 1960 30 : 1 auf 1999 74 : 1 auf und dürfte heute bei einem Verhältnis von 80 : 1 liegen.
5. Die EU der 25 hat einen Haushalt von etwa 120 Mrd. €.
Hiervon wird etwa die Hälfte für den Agrarsektor ausgegeben, wovon wiederum etwa die Hälfte, also 30 Mrd. €, für Stützungs-, bzw. Abschottungsmaßnahmen verwendet wird. So werden die Baumwollproduzenten in Spanien und Griechenland mit fast einer Mrd. € im Jahr subventioniert, während die westafrikanischen Staaten mit ihrer Baumwolle nicht auf den europäischen Markt kommen; so wird der weiße (Rübenzucker-)Zucker mit über einer Milliarde € unterstützt, um den braunen Zucker der Entwicklungsländer von unseren Märkten fernzuhalten. usw. usf. …
1. Die ca. 150 (von 198 Staaten erdweit) Entwicklungsländer sind bei den (sogenannten) „entwickelten“ Ländern mit ca. 2.000 Mrd. € verschuldet.
Was dazu führt, dass sie jährlich etwa 320 Mrd. € an Schuldendienst leisten, d.h. bei einer Sechs-Tage-Woche 1 Mrd. €/Tag. Die seit einigen Jahren laufende „Entschuldungskampagne“ hat bislang zum Erlass von etwa 60 Mrd. € Schulden geführt. Die krassen Unterschiede in der ökonomischen Situation hat in den Vereinten Nationen zur Definition einer neuen Kategorie von Staaten geführt: der der am wenigsten entwickelten Staaten (LDC = Least Developed Countries, oder auch HIPC = Heavily Endebted Poor Countries). Dieser Gruppe, deren Mitglieder den Anschluss an die erdwirtschaftlichen Kreisläufe zu verlieren drohen, umfasst derzeit 50 Staaten; das Gros dieser LDC liegt in Afrika.
2. In Afrika, einem Zentrum der Unterentwicklung, leben mit 800 Millionen Menschen ca. 13 Prozent der Erdbevölkerung.
Diese verfügen jedoch bspw. nur über 0,3 Prozent der Internet-Anschlüsse, der Anteil Afrikas am Welthandel liegt unter 2 Prozent. Wobei: „Afrika“ gibt es nicht als einheitliches Gebilde. So sind einerseits die nordafrikanischen Staaten – gemessen mit unseren Maßstäben – recht hoch entwickelt; die Republik Südafrika andererseits erwirtschaftet vor allem mit seinen Bodenschätzen ein BIP, das höher ist als das aller verbleibenden schwarzafrikanischen Staaten zusammen. Und auch in der RSA wiederum ist der Reichtum extrem ungleich verteilt: Die großen und die mittelständischen Betriebe sind in der Regel in weißer Hand.
3. Den schlimmsten Zahlen der UNO zu Folge sterben täglich 40.000 Kinder
und 25.000 Erwachsene an den Folgen von Unterernährung, weitere 25.000 Menschen verlieren täglich ihr Augenlicht, weil ihnen kein reines Trinkwasser zur Verfügung steht.
4. Die 290 Millionen US-BürgerInnen verbrauchen mit ihren 4,5 Prozent der Erdbevölkerung etwa 25 Prozent der Energie.
Die EU-25-Staaten (7,5 % der Erdbevölkerung) auch 16 Prozent. Zählt man die übrigen Entwicklungszentren der Erde hinzu („Japan +“), dürften die o.a. 15 Prozent der Erdbevölkerung über die Hälfte der Energie verbrauchen. Was für die 85 verbleibenden Prozent die allfälligen Konsequenzen hat.
5. In der Bundesrepublik Deutschland, dem Land des „Exportweltmeisterns“
d.h. dem Land, in dem mit seinen 82 Millionen Menschen die Differenz zwischen Importen und Exporten (auch im Vergleich mit den USA der 290 Mio. oder Japan mit seinen 125 Mio.) am höchsten ist, sind acht Millionen Menschen ohne Erwerb. Das Problem der Massenarbeitslosigkeit wird, trotz aller Lippenbekenntnisse, vernachlässigt.
* Arbeitslose zahlen nichts in die Sozialkassen.
* Arbeitslose werden aus den Sozialkassen alimentiert.
* Arbeitslose zahlen keine Lohn- und Einkommenssteuern.
* Arbeitslose haben eine enorm verminderte Kaufkraft.
* Arbeitslose werden häufiger krank, physisch wie psychisch.
* Arbeitslose produzieren nichts (wenn doch, liegt Schwarzarbeit nahe).
6. Die Jugendarbeitslosigkeit im Land des „Exportweltmeisters“ schreibt ein weiteres Kapitel.
Etwa zehn Prozent der deutschen Jugendlichen verlassen die Schule ohne Abschluss, weitere zehn Prozent gelten als „nicht ausbildbar“. Wiederum 20 Prozent bekommen keine Ausbildungsstelle, sie werden in einer Vielzahl von schulischen Einrichtungen „geparkt“. Von dieser prekären Lage, die also ca. 40 Prozent der Jugendlichen in Deutschland betrifft, sind sozial Benachteiligte und Ausländer besonders betroffen.
7. Die Bundesrepublik Deutschland ist derzeit mit 1.300 Mrd. € verschuldet.
Was eine jährliche Zinslast für die drei Verschuldungsebenen (Bund, Länder, Gemeinden) von 65 Mrd. € bedeutet. Die jährliche Neuverschuldung, d.h. die Lücke zwischen den Einnahmen und den Ausgaben des Staates, liegt in der Mitte unseres Jahrzehnts bei ca. 40 Mrd. €. Der Staat hingegen, so die alternativen WirtschaftswissenschaftlerInnen der „Memorandum“-Gruppe, lässt sich jährlich weit über 100 Mrd. € an ihm zustehenden Steuern entgehen.
8. Deutschlands Wirtschaft stagniert.
Die einiger Partnerländer nicht. Die Deutschen sparen viel, weil sie kein Vertrauen in ihr Renten- und Pensionssystem mehr haben, weil sie des Weiteren um die Zukunft ihrer Kinder fürchten. Eine große Menge von Menschen, die acht Millionen (A. Merkel im Wahlkampf 2005) Erwerbslosen und ihre Angehörigen (!), die Masse der RentnerInnen, die StudentInnen u.a., hierzulande hat immer weniger Geld zur Verfügung. Vielleicht ist ein Blick auf die Entwicklung der Reallöhne (1995 – 2004) interessant, um unterschiedliche Logiken des Wirtschaftens deutlich zu machen: So stiegen die Reallöhne in Schweden und Großbritannien um 25 Prozent, in Irland um 19, Dänemark um 16, den Niederlanden um 12 und in Frankreich um 8 Prozent. Der Durchschnitt der EU der 15 lag bei 7,4 Prozent. In Deutschland nahmen die Reallöhne in diesem Jahrzehnt um 1 Prozent ab. In Deutschland hat der Staat überdies durch die große Welle der Privatisierungen das Großteil seiner wirtschaftlichen Steuerungsmöglichkeiten aus der Hand gegeben. Dies passiert seit nunmehr acht Jahren unter maßgeblicher Beteiligung der Sozialdemokratie.
Quellen für diese Informationen:
Atlas der Globalisierung; Hrsg. Le Monde Diplomatique (aktuelle Auflage 2006)
Atlas der Weltverwicklungen, Hammer-Verlag Wuppertal 2001
Die home-page der Memo-Gruppe: www.memo.uni-bremen.de
Die home-page von VerDi: www.verdi.de
Mein Skript: Wird das Land des „Exportweltmeisters“ zum Armenhaus für Millionen? Überlegungen zum gesellschaftlichen Reichtum Deutschlands (wird auf Wunsch zugestellt)
PD Dr. J. M. Becker Tel.: 0049/6421/23706 u. 0171 4739648
jbecker@staff.uni-marburg.de
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Quelle: steinbergrecherche