“Petra Reskis „Mafia“-Buch trotz Verbots mit Schwärzungen auch weiterhin erhältlich
München, 20. November 2008 – Der Droemer-Verlag hat heute eine beim Landgericht München I erwirkte Einstweilige Verfügung gegen das Buch der deutschen Journalistin Petra Reski mit dem Titel „Mafia: Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ erhalten.
Beantragt wurde die Einstweilige Verfügung von den Anwälten des Gastronomen Spartaco Pitanti *, dessen Aktivitäten Petra Reski in ihrem von der deutschen Presse hoch gelobten Buch, das sich auch mit den Verstrickungen der Mafia in Deutschland beschäftigt, beschreibt. Eine kurze Passage über Spartaco Pitanti darf vorerst nicht weiter verbreitet werden.
Der Verlag wird Widerspruch gegen die Einstweilige Verfügung einlegen und ist zuversichtlich, dass diese aufgehoben werden wird. Bis dahin muss der Verlag das Verbot beachten und die betroffene Textstelle schwärzen.
Bei einer Lesung in Erfurt, wo Spartaco Pitanti bestens bekannt ist, da er dort über lange Jahre ein Restaurant betrieben hat, war es in der vergangenen Woche zu verbalen Angriffen gegen Petra Reski gekommen, an denen sich mehrere Personen aus dem Publikum, sowie der ebenfalls anwesende ehemalige Bürgermeister von Erfurt beteiligten. Mittlerweile gibt es zu diesem Vorfall auch Reaktionen von italienischen Spezialisten: Der Chef des Mobilen Einsatzkommandos von Reggio Calabria kommentierte gegenüber der Autorin den Vorfall in Erfurt: Es sei erstaunlich, dass die deutsche Polizei eine solche Veranstaltung ohne Polizeischutz gelassen habe – und ohne die Dokumente aller zu kontrollieren, die sich an der Diskussion beteiligten.
Weder Verlag noch Autorin lassen sich allerdings verunsichern. Bei einer ausverkauften Veranstaltung im Münchner Literaturhaus am letzten Sonntag sagte Petra Reski auf eine entsprechende Frage des Moderators Giovanni di Lorenzo, der auf das Schicksal des zur Zeit im Untergrund lebenden Anti-Mafia-Autors Roberto Saviano verwies: „Nein, ich habe keine Angst vor der Mafia“.
Quelle: reskisrepublik
Nicht nur ich würde mich freuen, wenn Petra Reski auch in Duisburg eine Autorenlesung veranstalten würde. Die Reaktion einiger “Zuhörer” auf die Duisburg-Passagen in ihrem Buch wird wahrscheinlich wie in Erfurt ausfallen. Dagobert Lindlau (der übrigens mit dem Buch DER MOB eines der wichtigsten Bücher über das organisierte Verbrechen in Deutschland schrieb, und zwar schon 1989!) schildert im genannten Buch eine ähnliche Geschichte wie in Erfurt (siehe oben): “Schon zu Beginn der Veranstaltung (ein Vortrag an einer Uni in München, p-r), fallen mir in der ersten Reihe zwei junge Männer auf. Sie unterscheiden sich von den anderen Studenten. Beide sind leger und teuer angezogen (…) Statt der Nieten sitzen an den Taschen unauffällige Brillianten (…) Sie verfolgen die akademische Diskussion mit gerunzelter Stirn. Die Naivität einiger Fragen amüsiert sie. Unsere Antworten erregen ihre Mißbilligung. Gegen Ende der Veranstaltung meldet sich der Große zu Wort: Er wolle etwas Prinzipielles zu unserer Sendung über das “sogenannte” organisierte Verbrechen sagen. Die Sendung sei “einseitig, unobjektiv und unausgewogen” (sic) gewesen, denn sie habe Partei gegen das organisierte Verbrechen ergriffen. (…) In der üblichen Manier des Fernsehens hätten wir “manipuliert” und einerseits “unterschlagen”, was für das organisierte Verbrechen, und “hochgespielt”, was gegen das organisierte Verbrechen spreche. (…) Mir ist nur allzu klar, daß es sich bei unseren Diskutanten um Interessenvertreter aus dem Mob handeln muß”
(in: Dagobert Lindlau, DER MOB, Seite 253-254)
Der ehemalige Bürgermeister von Erfurt (neben dem Ruhrgebiet eine der deutschen Hochburgen der ‘Ndrangheta) ist auch Petra Reski in dem ZDF-Film “Im Netz der Mafia” aufgefallen: “Beeindruckt hat mich das Statement des ehemaligen Erfurter Bürgermeisters Manfred Ruge – der auf die Frage, ob man nicht vielleicht etwas leichtfertig die Augen angesichts der Investition von Mafiageldern verschlossen habe, mit entwaffnender Offenheit stammelte:
‘Bedeutet das ‘mafiose Strukturen’, wenn schmutziges Geld, das woanders schmutzig verdient worden ist … und dann hier letzten Endes hier an den Mann gebracht wird … ist denn nicht die Ursache des Ganzen die, ich sag mal: die Struktur … die es ermöglicht, dass diese Schutzgelder … diese Gelder aus dem Drogenmilieu und wo auch immer … dass die überhaupt erst mal verdient werden können? Dort ist doch eigentlich der Ansatz! Und dort passiert doch eigentlich auch das, was dann anschließend dann als Auswirkung woanders passiert … die Auswirkung des Geldausgebens oder die Auswirkung der Auseinandersetzung miteinander … die passieren doch dann vielleicht überall … Aber irgendwo wird doch dieses Geld verdient!’
Will sagen: Die Mafia ist das Problem Italiens. Mir doch egal, woher das Geld kommt. Hauptsache Geld.”
Quelle: reskisrepublik
Ja, genau, das ist der ehemalige Bürgermeister aus Erfurt auf der Autorenlesung von Petra Reski.
* Die italienische Zeitung repubblica:
“Spartaco Pitanti ist einer der wichtigsten Organisatoren der ‘Ndrangheta aus Kalabrien – insbesondere von San Luca – für Investitionsentscheidungen zum Kauf von Restaurants, Pizzerien und Hotels in der Gegend von Duisburg und Erfurt.”
Quelle: espresso.repubblica.it