Die MAFIA in Duisburg XXIII
Mittwoch, den 27. Februar 2008Der schon in der letzten Woche in Rom von Francesco Forgione vorgestellte Bericht über die ‘Ndrangheta (pdf-Datei, 237 Seiten) ist jetzt im Internet veröffentlicht.
“Ich habe ihn mal überflogen; er beschreibt ganz überwiegend italienische Ermittlungsergebnisse. Im Einleitungskapitel wird aber ausführlicher auf die Duisburger Ereignisse eingegangen. Wichtig ist der Hinweis auf Seite 3 unten, dass die italienischen Behörden bereits im Jahre 2001 die deutschen zuständigen Stellen über das Treiben im “Da Bruno” informiert haben. So wie ich den Text verstanden habe, ging es da wohl um Geldwäsche. Außerdem steht auf Seite 2, dass bei der Schießerei zwei 9mm Pistolen benutzt wurden und die Zahl des abgegebenen Schüsse wird genannt. Beide Tatsachen sind – nach meinem Wissensstand – bis auf den heutigen Tag von deutscher Seite der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt worden – angeblich aus ermittlungstaktischen Gründen. Warum eigentlich? Warum wurde aus solchen wahrlich banalen Fakten so eine Geheimniskrämerei gemacht?
Ach, herrje, ich weiß schon was als erste Anmerkung von der Polizei kommt: der Bericht ist ja auf italienisch. Und das ist ja nun nicht Amtssprache der deutschen Polizei. Ich frage mich nur, wie machen die das eigentlich, wenn sie ein abgehörtes Telefongespräch auf kalabrisch auswerten müssen. Ich tippe mal darauf, dass die dann womöglich ein Übersetzungsbüro in Reggio di Calabria beauftragen. Vielleicht vermittelt die kalabrische Community in Duisburg ja auch einen geeigneten Dolmetscher …”
Danke an O. für die Einschätzung und diesen schönen Kommentar:
“Habe gerade beim Nachschlagen in meinem Italienisch-Wörterbuch festgestellt, dass ich es mir im Jahre 1974 angeschafft habe. In diesem Jahr hatte ich eine Reise bis nach Sizilien unternommen und auf dem Rückweg haben mich wohl einige Nachwuchskräfte der Camorra in Neapel um Geld, Papiere und einige andere Sachen erleichtert.
Das dürfte somit mein erster Kontakt mit der Mafia gewesen sein. Wer weiß – vielleicht ist ja der eine oder andere Lire-schein im Laufe der Jahre auf verschlungenen Wegen nach Duisburg gelangt und hier wieder investiert worden. Zwei oder drei Ziegelsteine, irgenwo im Innenhafen verbaut – sie gehören in Wirklichkeit mir!! Sowas nennt man dann Wirschaftskreislauf.”
Als Freund der italienischen Küche bin auch ich mit Sicherheit schon mehreren ‘Ndrangheta-Mitgliedern begegnet: in Duisburg wimmelt es nur so von Dorfbewohnern aus Kalabrien (die, das muß auch gesagt werden, sicher nicht alle Mitglieder diverser Mafia-Gruppierungen sind). Während Kinder und Enkel in Deutschland sozialisiert wurden, läßt sich die Herkunft der älteren Generation als kalabresische Bauern und Hirten noch in den wettergegerbten Gesichtern erahnen.





