Monatsarchiv für Dezember 2007

Festung Amerika

Mittwoch, den 26. Dezember 2007

brunner“Drei große Romane haben John Brunners literarischen Ruhm als sozialkritischer Autor weltweit begründet: Stand on Zanzibar (dt. Morgenwelt), The Sheep Look up (dt. Schafe blicken auf) und The Jagged Orbit (dt. Ein irrer Orbit).
Alle drei gehen schonungslos mit dem amerikanischen Way of Life ins Gericht, der maßlosen Verschwendung auf Kosten der Menschen in der Dritten Welt, der heuchlerischen und verlogenen politischen Moral und einer Medienlandschaft, in der die Paranoia immer kuriosere Blüten treibt.”
(Und nicht zu vergessen: Der Schockwellenreiter, ein Klassiker)

Quelle: hinterer Umschlagtext von: John Brunner – Ein irrer Orbit, Roman, Heyne 1993 (Originalausgabe 1969).

Der deutsche Untertitel des Buches:
“Festung Amerika: Das Panorama des politischen Verfalls einer paranoiden Kultur”

Interessanterweise sind es häufig SciFi-Autoren, die politisch hellsichtig sind.

dischZwei andere Beispiele: Thomas M. Disch Camp Concentration, Lichtenberg Verlag 1971 (Originalausgabe 1968), und ein neuer SciFi-Autor: Richard Morgan Profit, Heyne 2006 (Originalausgabe 2004).

Als Widmung steht im Roman Profit:
“Gewidmet ist dieses Buch all jenen Menschen in aller Welt, deren Leben ruiniert oder ausgelöscht wurde vom Großen Neoliberalen Traum und einer Globalisierungpolitik der verbrannten Erde.”

MorganDer Roman kann einen auf die Idee bringen, Managementtechniken von Wirtschaft und Mafia zu vergleichen. Aber wahrscheinlich haben sich Unternehmensberater wie McKinsey oder Berger schon lange mit den in ihren Augen sicher hochprofitablen Mafia-Gruppen beschäftigt.

Aus dem Umschlagtext von Camp Concentration lohnt es sich auch zu zitieren:
“Die USA in nur allzu naher Zukunft: Der sinnlose Krieg in Asien zieht sich hin, obwohl härteste Waffen eingesetzt werden. Der Widerstand der Intellektuellen im eigenen Land ist gewachsen. Die Regierung greift hart durch und sperrt die linke Intelligenz in Konzentrationslager ..”

Kommt einem heute mal wieder ziemlich bekannt vor. Die Feinde können natürlich ausgetauscht werden.

Max Goldt über BILD

Dienstag, den 25. Dezember 2007

“Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.”

(Max Goldt, gefunden beim BILDblog)

Peer Raben † 21. Januar 2007

Montag, den 24. Dezember 2007

Viele, viele Nachrufe auch in diesem Jahr, aber einer fehlte: der über Peer Raben. Seine Musik (der Link auf der Internetsite von Peer Raben ist falsch) kann man sich hier anhören: Universal Publishing. Langsam sterben sie aus, die Radikalen vom Münchner antiteater. Er gehört zu denen, die ich vermisse.

Nicht erforderlich

Sonntag, den 23. Dezember 2007

Die Terrorhysterie treibt seltsame Blüten in den Hirnen der Politiker:

“Für die Strafbarkeit einer Handlung nach Absatz 2 ist es nicht erforderlich, dass tatsächlich eine terroristische Straftat begangen wird.”

Quelle: Vorschlag für einen Rahmenbeschluss der Rates zur Änderung des Rahmenbeschlusses 2002/475/JI zur Terrorismusbekämpfung

The Truth About Bottled Water

Freitag, den 21. Dezember 2007
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Vom KZ Dachau über die Harvard University nach Abu Ghraib

Sonntag, den 16. Dezember 2007

Der Steh-Appell und die Menschenversuche der CIA

“Egmont R. Koch hat über die Menschenversuche der CIA im besetzten Deutschland geschrieben. Michael Wechs und sein Buch erschien 2002 bei Bertelsmann. Es enthüllte: Die CIA hat sich die Ergebnisse der Menschenexperimente der Nazis zunutze gemacht. Sowjetische Gegenspione sollten – unter LSD gesetzt – Geheimnisse ausplaudern. Bei einigen Experimenten starben die Opfer nach längerer Folter, und auch der beteiligte CIA-Wissenschaftler Frank Olson wurde sehr wahrscheinlich umgebracht, als er aus dem Projekt aussteigen wollte.

2007 hat Koch für das Fernsehen des Südwestrundfunks (SWR) dokumentiert: Der Anästhesist Beecher hat an der Havard University Nazi-Folter und KZ-Experimente für die CIA ausgewertet, selbst Experimente in Deutschland durchführen lassen und zum später weltweit eingesetzten CIA-Folterhandbuch beigetragen. In Abu Ghraib wurden die Gefangenen erniedrigt, gequält und teilweise umgebracht – auf der Grundlage von Nazi-KZ-Methoden. Der SWR hat die Dokumentation am 9. Juli 2007 ausgestrahlt.

Egmont R. Koch läßt den renommierten CIA-Forscher Alfred McCoy, das Folteropfer Murat Kurnaz und Zeitzeugen aus dem Frankfurter Raum für die US-Menschenversuche im Nachkriegsdeutschland zu Worte kommen.”

Video, 44 Minuten

Quelle: SteinbergRecherche

Inhaftierte pro 100.000 Einwohner

Sonntag, den 16. Dezember 2007

USA 751 pro 100.000 Einwohner, Rußland 628, Südafrika 335, Iran 212, China 189, Türkei 112, Österreich 108, Deutschland 93, Schweiz 79, Indien 30

Quelle: der lesenswerte Artikel in Freace

Überrascht? Einfach mal weiter googlen: Gefängnis-industrieller Komplex

Vom Sinn der Kriege

Sonntag, den 16. Dezember 2007

“Israel viertgrößter Waffenexporteur

Tel Aviv. Laut einer Erklärung des Rüstungsdirektors im israelischen Verteidigungs­ministerium, Pinchas Bucharis, vom Sonntag haben in diesem Jahr Israels Waffenexporte die Großbritanniens übertroffen. Mit Ausfuhren im Wert von vier Milliarden US-Dollar ist Israel damit nach den USA, Rußland und Frankreich auf Rang vier der größten Rüstungsexporteure der Welt aufgestiegen.”

Quelle: Junge Welt

TAD: In dieser Armut welche Fülle!

Sonntag, den 16. Dezember 2007

“Liebes Duisburg, lieber Weltgeist

Nachdem am 1. TADvent ein Kiosk als Skulptur entdeckt und eine Skulptur zum Theater wurde, verwandelte der 2. TADvent eine Kneipe, die “Tunnelschänke” im Duisburger Hauptbahnhof, in eine Kulturstätte.

IN DIESER ARMUT WELCHE FÜLLE!

01_tadvent2.jpg06_tadvent2.jpgFotos vom 1. und 2. TADvent gibt es zu sehen unter www.theater-arbeit-duisburg.de. An jener Stelle auch die persönliche Danksagung an alle, die uns bis hierher aktiv begleitet haben, welche hier, unpersönlich, wiederholt und bekräftigt sei!

Der Ankunft von was auch immer einen weiteren Schritt näher bringt uns der

*3. TADvent: am Sonntag, 16.12.07, ab 18 h im DJäzz*, ausnahmsweise also in einem schon allseits bekannten Kulturort (Jazzclub DJäzz, Börsenstraße 11 in Duisburg-Mitte). Nach dem dionysischen Auftritt des 2. TADvent steht dieser Abend unter mehr apollinischem Vorzeichen. Aber keine Sorge: wenn die Selbstbewegung des
Begriffs die Bühne betritt, ist dies nicht weniger ekstatisch. Und – nichts für ungut, G.F.W. – mindestens genau so komisch.

Das Programm vom 3. TADvent:
18 h: TADventlicher Empfang – 2 Stunden der Ruhe und damit der Möglichkeit, unterbrochene Gespräche fortzusetzen, neue zu beginnen, alte zu beenden. Uns auseinander oder, besser, zusammen zu tun im Versuch, unsere geliebte Stadt ein paar Sterne gebären zu lassen.
Wir sind einfach da, geistig und mit Schokohasen gerüstet, und warten auf Euch.

20 h: Stile der Selbstbehauptung – ein performativer ICHbehauptungs- und DUvernichtungs-/belebungsversuch der – kompetent verstärkten – dramaturgisch-theoretischen Abteilung von TAD. Mit: Stella Cristofolini, Christian Schoppe, Gernot Schroer, Stefan Schroer, Klaus Steffen und einem unsichtbaren Gast.

22 h: Was soll das Ganze und warum sind wir nicht längst über Bord oder auf dem Sonnendeck? Diskussion über schweres Theater in leichten Zeiten oder freies in unfreien oder beides umgekehrt. Eine heftige Diskussion mit eingeladenen und allen anderen Gästen, also mit Euch.

Anbei zwei untypische Fotos vom 2. TADvent (typischere am oben
vermerkten Ort). Wie fast immer sind sie (und deswegen so gut) von (c)
Annette Jonak. Das kommende Ereignis können wir leider nicht mit einem
Foto evozieren, aber dafür mit noch drei Versprechen:

1. Der Begriff wird sichtbar werden
2. Die Reaktion hörbar
3. Um ca. 21.30 h feiern wir gemeinsam Sylvester

Soweit zum 3. TADvent.

Vorschau: 4. TADvent – Hier steht nun der Ort fest: es ist das
*”Kunstquartier”* in der Quergasse 11 in Duisburg-Mitte (www.kunstquartier.info). Mehr zum Programm dieses Tages (22.12.07) in der nächsten Woche.

Nebenschau 1: Noch vor dem 3. TADvent tritt TAD in Duisburg auf – mit seinem Projekt *”Flüchtlingsgespräche”* am Samstag, 15.12.2007 um 15 Uhr in der Factory, Steinische Gasse 32a im Rahmen einer Veranstaltung von Multikulturelle Brücke e.V.. Nähere Infos über 0178-8165874

Nebenschau 2: Herausgegeben vom Theaterwissenschaftlichen Institut der Uni Bochum und Theater der Zeit ist die Jahrespublikation *”Schauplatz Ruhr”* erschienen. Darin auch ein Bericht über Theater Arbeit Duisburg. Der Inhalt des Heftes ist einzusehen unter www.schauplatz-ruhr.de, zu kaufen ist es ab sofort für 8 Euro in guten Buchhandlungen. Der Artikel Über TAD findet sich auf unserer Internetseite www.theater-arbeit-duisburg.de.

Zunächst mal bis Samstag (Factory) oder Sonntag (DJäzz),

Liebe Grüße, shalom

TAD

P.S.: Ach ja, bitte wieder weiterleiten – diesmal vielleicht primär an Herrn Hartz, Herrn Hundt, Herrn Heidegger und andere Hochstapler (inkl. HochschuldozentInnen)”

Filme im DJAEZZ und STEINBRUCH

Samstag, den 1. Dezember 2007

“Am kommenden Dienstag, den 4. Dezember, zeigt der Duisburger Filmemacher und Leiter des Dokumentarfilm-Praxisprojektes an der Duisburger Hochschule Claus Strobel die diesjährigen DokumentarKurzFilme seines Praxisprojektes.
Beginn ist um 19:30 im großen Saal des Café Steinbruch, Lotharstraße 318-320, 47057 Duisburg-Neudorf.
Zu sehen sind vier Filme. Die Autoren, Beteiligten und Protagonisten sind anwesend.
Viel Spaß.
P.S. …und der UniFilmClub (im Jazzkelleer “djaezz”, Börsenstraße 11, Duisburg-Mitte) zeigt als letzten Film im alten Jahr am 11. Dezember um 20:30 “Detective – Ihr erster Fall war eine Frau”. Ein weiterer Film in der Rolf Thome-Reihe. D 1969 mit Uschi Obermaier, Irtis Berben, Marquard Bohm. Thome kam ähnlich wie Eric Rohmer von der Filmkritik zum Kino und produziert seit 40 Jahren kontinuierlich stilistisch sehr eigene Spielfilme.” (Danke an Jochen)


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