Monatsarchiv für November 2007

Die MAFIA in Duisburg XIII

Dienstag, den 6. November 2007

Tips zur Weiterbildung 2

Eine kleine kommentierte Bücherliste:

Roberto Saviano: GOMORRHA – Reise in das Reich der Camorra, Hanser 2007
Camorra nennt sich die Mafia in Neapel. Über dieses Buch ist viel geschrieben worden, zurecht. Es ist die radikal subjektive Sicht eines Intellektuellen und Literaten aus Neapel.

John Dickie: COSA NOSTRA – Die Geschichte der Mafia, Fischer 2007
Die Cosa Nostra (“Unsere Sache”) ist die sizilianisch-amerikanische Variante der Mafia. Nicht das erste, aber das umfassenste Werk über die Cosa Nostra. Und vor allem: es ist aktuell!

Robert Lacey: MeyerLansky – Der Gangster und sein Amerika, Gustav Lübbe 1992
Die Geschichte des jüdischen Gangsters Meyer Lansky und gleichzeitig die Geschichte der amerikanischen Mafia.

Anton Blok: Die Mafia in einem sizilianischen Dorf 1860-1960, Suhrkamp 1981
“Anton Blok unternimmt es in dem vorliegenden Buch, Entstehungsbedingungen, Entwicklung und konkrete Ausformung der dem Außenstehenden nur durch Gewaltakte bekannten Mafia darzustellen. Zu diesem Zweck untersucht er die sozialen Beziehungen, die es bewirken, daß in Sizilien einer bestimmten Gruppe von Menschen die private Ausübung physischer Gewalt möglich war. Aufstieg und Fall der Mafia können somit erklärt werden durch den Grad, in dem der Staat die Anwendung privater physischer Gewalt kontrollierte.”

(Zur Terminologie: Mafia war ursprünglich der Name des sizilianischen organisierten Verbrechens. Mittlerweile ist der Name MAFIA zum Synonym für organisierte Kriminalität geworden. Aus Italien kommen folgende wichtige Mafia-Gruppen:
Camorra – Neapel, Cosa Nostra – Palermo/Sizilien, ‘Ndranghete – San Luca u.a./Kalabrien, Sacra Corona Unita – Apulien, Stidda – Sizilien)

MAFIA-Koinzidenz

Dienstag, den 6. November 2007

Es ist schon seltsam: ich liege abends im Bett, lese das letzte Kapitel von John Dickies Buch “COSA NOSTRA – Die Geschichte der Mafia” und lausche mit halbem Ohr der tagesschau. Im letzten Kapitel des Buches geht es um die Zeit ab 2003. Nach der Festnahme des Bosses der Bosse, Provenzano gab es zwei potentielle Nachfolger: Salvatore Lo Piccolo und Antonio Rotolo, “und diese beide standen kurz davor, einen Krieg um die Nachfolge zu beginnen.” (S. 527) Und plötzlich wurde aus dem halben Ohr ein ganzes Ohr: die tagesschau meldet, das die italienische Polizei Salvatore Lo Piccolo festgenommen hat.

dickie.jpgMeine Empfehlung: Du willst was über die COSA NOSTRA erfahren? John Dickie lesen. Aktueller gehts wirklich nicht. Auch der wunderbare sizilianische Schriftsteller Andrea Camilleri meint: “Ich weiss nicht, was ich am meisten loben soll: Dickies Scharfsinn als Historiker oder seine Gewandtheit als Erzähler.”

“Detailliert beschreibt der Autor die begriffliche und historische Entstehungsgeschichte der sizilianischen Mafia in den Zitrusplantagen in und um Palermo Mitte des 19. Jahrhunderts, das bis heute gültige, streng hierarchische Organisationsmuster und die bis in die Gegenwart praktizierten Initiationsriten. Er schildert die historischen Entwicklungen, die wesentlich dazu beigetragen haben, dass sich die Mafia so rasch und so fest in der Gesellschaft (und selbst der Politik) etablieren konnte und macht einsichtig, weshalb sich die Organisation bis in die Gegenwart als so außerordentlich widerstandsfähig erwiesen hat.”

Quelle: Buchbesprechung amazon

Wenn israelische Soldaten das Schweigen brechen

Dienstag, den 6. November 2007

“Soldat E: “Wir fuhren mit einem APC ( gepanzertes Militärfahrzeug) durch Rafah. Ein Mann von etwa 25 Jahren ging an uns vorbei. Er warf keinen Stein auf uns oder etwas anderes. Dann schoss X ohne einen Grund ihm in den Magen. Wir ließen ihn am Straßenrand liegen.

Soldat F : “Einige raue Burschen entwickelten  “eine Ideologie” , nach der wir brutal reagieren sollten, selbst bei kleinen Anlässen . Eine Frau warf eine Sandale nach mir. Ich stieß ihr mit meinem Stiefel in den Unterleib. Sie brach zusammen. Sie wird keine Kinder mehr bekommen. Sie wird kein 2. mal eine Sandale gegen mich werfen … und als eine andere Frau mich anspuckte, schlug ich ihr mit  meinem Gewehrkolben ins Gesicht.  Sie kann nun nicht mehr spucken”.

Soldat G   beschrieb seinen ersten gewalttätigen Überfall in ein Haus, um einen Palästinenser zu verhaften: “Er war wirklich groß, etwa 30 Jahre alt. Er wehrte sich gegen die Verhaftung. Wir schlugen ihn, konnten ihn aber nicht überwinden. Da kamen einige Leute, die Steine auf uns warfen. Wir schlugen ihn und befahlen ihm, sich auf den Boden zu legen. Schließlich tat er es. Wir fuhren mit ihm zur Militärbasis. Inzwischen hatte er das Bewusstsein verloren. Einige Tage später starb er.”

Quelle: Wenn israelische Soldaten das Schweigen brechen
(Neue israelische Studie, die unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt)
Dalia Karpel, Haaretz, 21./ 27.September 2007

Neue Formen des Gelderwerbs

Samstag, den 3. November 2007

“Ein Bekannter ist Bereichsleiter der Konzernsicherheit (Bahn AG). Er erzählte mir folgendes: Angebliche Fahrausweisprüfer mit gefälschten, aber für Kunden nicht erkennbaren Dienstausweisen führen eine Kontrolle durch und erwischen dabei Schwarzfahrer.
Mit selbsterstellten Quittungsblöcken kassieren diese für sich selbst die 40,-EURO.
Auch sei es schon vorgekommen, dass dies auch durch rechtmäßige Prüfer geschieht. (…)
In NRW machen Fahrausweisprüfungen auch Kötter Sec. oder in Thüringen Condor, so nen Ausweis mache ich dir mit nem Farbkopierer, oder ich bewerb mich da. Und mache dann in meiner freien Zeit einen auf Hobbyprüfer.”
Quelle: 123recht

Gefühlte Sicherheit

Freitag, den 2. November 2007

Nachdem ich mich endlich daran gewöhnt habe, jeden Tag mit 3 bis 8 Sicherheitsdienstleuten der DVG Straßenbahn zu fahren (in Bussen findet man diese Leute seltsamerweise nicht), gibts jetzt die nächste Steigerung. Denn neuerdings steht am Ende des Monats ein Kötter-Security-Mann (gestern: dünn und schwächlich, schütteres Haar, grotesk vorstehender Bauch) im Postamt auf dem Sonnenwall. Trotz Nachfrage (“Bewacht der Sie oder uns?”) rückte das Schalterpersonal der Post nicht so richtig mit der Sprache raus. Sie drucksten rum, wie man so schön sagt. Natürlich befragte ich auch den Kötter-Security-Saal-Schutz-Mann nach seinen Aufgaben. Ja, seine Aufgabe sei es, für Sicherheit zu sorgen, da es häufig vorkommt dass jemand laut wird. Bezahlt wird diese Leistung wahrscheinlich durch die 5 Euro (=10 DM) Gebühr, die neuerdings bei der Einlösung eines ALGII/HarzIV-Schecks anfällt.
Motto: wer nichts hat, dem wird genommen. Und beim Geld abholen hat man die Schnauze zu halten, sonst gibts was drauf.

Die MAFIA in Duisburg XII

Donnerstag, den 1. November 2007

Tipps zur Weiterbildung 1

Beim LKA gibts unter anderem ein “Lagebild Organisierte Kriminalität in NRW 2006″:
polizei-nrw.de

Das gleiche nochmal beim BKA: “Kurzfassung des Lagebildes Organisierte Kriminalität Bundesrepublik Deutschland”, 2000–2006:
bka.de

Und hier die Berichte von EUROPOL über “Organised Crime”:
europol.europa.eu

Die Lageberichte der italienischen D.I.A. (Direzione Investigativa Antimafia):
interno.it

(und noch ein Dankeschön an O. für die vielen Hinweise)

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