Rausch Made by SPIEGEL ONLINE

Mal wieder ein typischer SPON-Artikel:

HANF-REPUBLIK DEUTSCHLAND Marihuana made in Germany:

Doch das Gras “made in Germany” birgt Gefahren. Längst nicht alle Cannabis-Konsumenten ahnen, wie berauschend dieses Gewächshaus-Grünzeug wirken kann.

Doch: alle Cannabis-Konsumenten wissen, wie berauschend das Gewächshaus-Grünzeug ist, deshalb konsumieren sie es ja. Und die Gefahren kennt man auch: man wird breit.

“Durch die professionelle Bewirtschaftung der Plantagen, und weil die Pflanzen oft aus genmanipuliertem Saatgut stammen, kann die Wirkstoff-Konzentration der Indoor-Drogen bis zu vier Mal höher sein als bei herkömmlich angebautem Marihuana. Die Suchtgefahr steigt dadurch extrem an”, warnt LKA-Sprecher Scheulen.

Typische Propaganda: “genmanipuliertes Saatgut”. Bevor man mit diesem Wort so schön Angst machen konnte, nannte man es Zucht. Oder sind alle Hunderassen das Ergebnis von Genmanipulationen?
Die Indoor-Drogen lassen sich übrigens auch bequem aufm herkömmlichen Balkon anbauen.

Über die sogenannte Suchgefahr beim Cannabis-Konsum kann man übrigens sich nicht nur im öffentlich-rechtlichen Fernsehen z.B. bei ARTE (Cannabis – Die Wissenschaft vor 100 Fragen), sondern auch in wissenschaftlichen Publikationen informieren: eine Suchtgefahr gibt es nämlich nicht.

“Nedelmann, Carl, Drogenpolitik: Das Verbot von Cannabis ist ein „kollektiver Irrweg”
Deutsches Ärzteblatt 97, Ausgabe 43 vom 27.10.2000, Seite A-2833 / B-2429 / C-2257
THEMEN DER ZEIT: Forum

Der Autor vertritt die These, dass der Konsum von Cannabis keinen ernsthaften Schaden nach sich zieht – weder körperlich noch seelisch, weder akut noch chronisch. Das Cannabis-Verbot könne daher nicht durch medizinische Argumente gestützt werden.” Für die Gras-Gärtner jedoch ist der THC-Gehalt der Drogen von entscheidender Bedeutung: Je höher die Rauschwirkung, desto besser der Preis, so einfach ist die Rechnung auf der Straße.

Je höher die Rauschwirkung… da kann nur sagen: breiter als breit wird man auch durch “hochprozentiges” Cannabis nicht – man raucht nur weniger. Das interessante am Preis für Cannabis-Produkte ist, das er in den letzten 30 Jahren stabil geblieben ist. Für gute rauchbare Sorten zahlt man – wie schon vor dreißig Jahren zwischen 4 und 8 Euro.

Eine Faustformel der Fahnder besagt, dass sich aus 100 Kilogramm getrockneten Cannabis-Pflanzen etwa vier Kilogramm Marihuana gewinnen lassen, Marktwert 32.000 Euro. “Die Gewinnspanne ist enorm”, so Scheulen.

Also noch mal langsam: aus 100 kg getrockneten Cannabis-Pflanzen lassen sich exakt 100 kg Marihuana gewinnen oder 4 kg Haschisch: denn, ob SPON es glaubt oder nicht, getrocknetes Cannabis nennt man in der Regel Marihuana.
Die Gewinnspanne ist enorm … da hat er aber Unrecht. Wieviel Arbeit im Anbau von Cannabis steckt, kann man z.B. bei T.C. Boyle “Grün ist die Hoffnung” nachlesen. Und haben die Autoren eine Ahnung davon, welche Menge 100 kg Cannabis sind?
Über die wirtschaftlichen Interessen an einem Hanfverbot ein kleiner Exkurs in die Geschichte:

“Bis in das erste Drittel des 20. Jahrhunderts war Cannabis, gewöhnlich in Form von alkoholischen Extrakten, ein leicht verfügbares Medikament; im 19. Jahrhundert eines der am häufigsten verschriebenen. Im Jahre 1925 fand die Internationale Opiumkonferenz in Genf statt. Dort wurde auch ein Verbot von Cannabis diskutiert. Während der Zeit der Prohibition in den USA wurde auch Cannabis zunehmend als eine Gefahr für die Gesellschaft angesehen. Hintergrund war jedoch, dass die mächtigen Baumwollfarmerverbände der Südstaaten und Tabakproduzenten fürchteten, Marktanteile an Hanf zu verlieren und unter Hinweis auf die Rauschwirkung zum Verbot drängten. Kombiniert mit gezieltem Lobbyismus zwischen 1935 und 1937 des Hearst News Network des Medienzars William Randolph Hearst, der wegen der Aussicht einer preisgünstiger werdenden Papierproduktion mit Hanf hohe finanzielle Verluste befürchtete, und der Chemiefirma DuPont, die unter anderem Nylon und Rayon produzierte, dürfte das letztendlich zum de facto-Verbot im Jahr 1937 geführt haben. Vermutlich steht dies auch im Zusammenhang damit, dass 1933 in den USA die Alkoholprohibition aufgehoben worden war und der damit verbundene riesige staatliche Verfolgungsapparat somit ohne sinnvolle Beschäftigung war; so war die treibende Kraft des US-Cannabisverbots, der Vorsitzende des „Bureau of Narcotics“ Harry J. Anslinger, vor 1933 im „Prohibition Bureau“ für die Durchsetzung des Alkoholverbots zuständig gewesen.”

Quelle: Wikipedia

Darüber lesen wir in SPON aber nie etwas. Seltsam. Und dann sollten wir auch nicht vergessen, dass SPIEGEL-Gründer Augstein ein alter Kiffer war (wurde mal wegen Besitzes von 40g Haschisch festgenommen). Das steht natürlich auch nicht in SPON.

Nachtrag: Eine gute Quelle zum Thema: Das Hanf-Buch, der informative Video-Film Grass – War On Drugs (englisch) auch bei Google-Video.

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